Show Less

Proust und der Krieg

Die wiedergefundene Zeit von 1914

Series:

Uta Felten, Kristin Mlynek-Theil and Kerstin Küchler

Proust ist ein genauer Archäologe der diskursiven und sensoriellen Spuren des Krieges, die er in seinem Romanwerk zu einem polyvalenten Rhizom montiert, das sich eindeutigen Zuweisungen willentlich entzieht. Vergeblich sucht man nach direkten Frontberichten des Ersten Weltkrieges oder Bildern zerstückelter Körper auf seinen Schlachtfeldern. Die in diesem Band versammelten Beiträge lesen den letzten Band des Proust’schen Romanwerks À la recherche du temps perdu als vielstimmige Archäologie des Ersten Weltkrieges, die aus einer epistemologischen, intermedialen, philologischen und erkenntnistheoretischen Perspektive analysiert wird.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

Der Krieg in der filmischen Transposition von Le Temps retrouvé. Mediale Selbstreflexion (Patricia Oster)

Extract

Patricia Oster Der Krieg in der filmischen Transposition von Le Temps retrouvé. Mediale Selbstreflexion Marcel Proust hat wie kaum ein anderer Autor die medialen Voraussetzungen re- flektiert, unter denen sein Werk steht.1 Deshalb ist es wohl kein Zufall, dass gerade sein Roman das Medium des Films herausforderte, bis an seine äußersten medialen Grenzen zu gehen und dabei zugleich seinerseits die Bedingungen des eigenen Mediums zu reflektieren. Proust selbst blieb das Potential des Film-Mediums vor allem auch im Hinblick auf die ganz neuen Möglichkeiten, mit der Erfahrung von Zeit zu experimentie- ren, verschlossen.2 Er hätte durchaus bereits bedeutende Arbeiten von Griffith oder Chaplin sehen können und insbesondere die 1913 erschienene Filmbiogra- phie von Carl Froelich Richard Wagner hätte den Wagner-Liebhaber interessieren müssen, weil sie sehr experimentell arbeitete, indem phantastische imaginäre Bil- der wie ein fliegendes Schiff evoziert wurden. Proust assoziierte den Film jedoch mit einer photographischen Reproduktion von Realität: „Quelques-uns voulaient que le roman fût une sorte de défilé cinématographique des choses. Cette concep- tion était absurde. Rien ne s’éloigne plus de ce que nous avons perçu en réalité qu’une telle vue cinématographique“3. Er lehnt ein „défilé cinématographique des choses“ ab, weil es keine imaginären Synthesen erlaube. An anderer Stelle heißt es: Ce que nous appelons la réalité est un certain rapport entre ces sensations et ces sou- venirs qui nous entourent simultanément – rapport que supprime une simple vision...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.