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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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1. Abstrakt-allgemeine Problematisierung des Empraktischen

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1 In seiner „Sprachtheorie“ (1934) spricht Karl Bühler davon, dass der „Einbau des Sprechens in anderes sinnvolles Verhalten einen eigenen Namen verdient“� Er nennt dies Sprechen „empraktisches Reden“�2 „Im Bilde gesprochen ist es so mit ihrem Auftreten wie mit den ordentlich gesetzten Wegweisern auf menschlichen Pfaden; solange es nur einen eindeutig erkennbaren Weg gibt, braucht man kei- ne Wegzeichen� Aber an Kreuzungsstellen, wo die Situation vieldeutig wird, sind sie stets willkommen�“3 Bühler meint mit diesen Wegweisern Anzeigwörter, die das Handeln des Empfängers ganz einfach und doch hochkomplex steuern� Wenn bspw� jemand um Hilfe ruft, reicht dieses eine Wort um hochkomplexe Handlungs- reihen auszulösen� Oder oft ist „nur ein Wort nötig, ein beliebiges Sprachzeichen wie ‚rechts‘, ‚geradeaus‘ oder ‚dies‘ oder ‚Parkett sechste bis neunte Reihe‘ und die Zusatzsteuerung, welche das Benehmen des Empfängers benötigt, ist erreicht�“4 Ja, wir sind sogar so positiv auf dies empraktische Reden eingestellt und angewiesen, so dass wir jemanden mindestens für begriffsstutzig halten, wenn er diese Einrede nicht versteht� Denn wir wissen um die sinnvolle Reduktion dieser Einrede, um hochkomplexe Handlungen auszuführen und verstehen (und tolerieren allzuoft) daher nicht, wieso man noch zusätzliche Erklärungen braucht� Ganz deutlich wird dies beim Autofahren� Wer die einfachen Zeichen und Zeigewörter der Verkehrs- leitsysteme nicht sofort in hochkomplexes, flexibles Handeln umzusetzen vermag, hat mindestens mit einer leisen Beschimpfung zu rechnen� Das empraktische Sprechen ist reduktionistisch und unvollendet� Oft han- delt es sich um eingebaute Nennungen...

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