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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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3. Sein und Gestimmtsein

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Philosophie ist Ausdruck von Stimmungen� Stimmungen schwingen in uns, das zeigt sich besonders in der Musik, sie machen uns beschwingt, sie beschwingen unser Dasein in der Vermittlung durch die rhythmischen Bewegungen des Leibes� Die Stimmung zum Wort zu bringen, zu sagen, was ausgedrückt wird, die Essenz der Existenz zur Sprache zu bringen, ist Philosophieren� Denn all unser Handeln ist je schon gestimmt, wir haben nicht einfach Stimmungen, die dem Denken anhängen, nachhängen, es verunreinigen oder propagieren, sondern die Wahrheiten der Philosophie explizieren die grundlegende Gestimmtheit eines jeden Denkens� Die Lebenspraxis vollzieht sich in Stimmungskategorien, die die Handelnden in ihrem Handeln nicht explizit zum Gegenstand haben� Diese impliziten leibge- stimmten Kategorien nennen wir Existenziale, die die den Kategorien vorgängi- gen Daseinsbestimmungen zur Sprache bringen� Stimmungen nehmen wir wahr in der Vermittlung vollsinnlich-körperlicher Zustände� Existenziale reflektieren durch Stimmungen konstituierte, typische Verhal- tenweisen im menschlichen Dasein� Existenziale sind je unterschiedlich ge- stimmte Dispositionen zu handeln� Existenziale als Daseinsbestimmungen sind leibvermittelte Stimmungen, die für unser Dasein konstitutiv sind, die das Sein zu dem machen, was es für uns wesentlich ist� Stimmungen werden hier in ihrer positiven Funktionalität für die Welterschlie- ßung verstanden� Das setzt voraus, dass man sich von den bloß negativen Vorur- teilen gegenüber Stimmungen frei macht, die darauf hinauslaufen, Stimmungen verhindern die klare und deutliche Erkenntnis, Stimmungen trüben das Urteils- vermögen wie es in der Rede von der „schlechten Laune“, von der „Stimmungsma- che“, der „Gefühlsduselei“ und der...

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