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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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8. Musik als Zeit-Wi(e)derholung

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Für Christoph Ogiermann und Stephan Uhlig, die mir die Neue Musik nähergebracht haben� 8.1 Wiederholungs-Musik Tritt man in den gefüllten Klang-Raum der Neuen Musik ein, dann scheint ei- nes tatsächlich zuzutreffen: In sich selbst steht sie versunken, dem Innen fehlt das Gegenüber� Was wie auf ein Außen gerichtet zu sein scheint, ist de facto ein Abschließen gegen das Außen� Das Außen-Sein wird als totales Innensein radi- kalisiert� Ein Ton wird da konstruiert, der ein Schutzraum sein soll – „Draußen ist feindlich“� Das heißt aber auch: Drinnen ist freundschaftlich, In-Sich-Sein ist Bei-Sich-Sein, Heimat� Diese Musik scheint eine Zeit zu erinnern, diese Musik scheint eine Eigen- Zeit zu wiederholen, die uns fremd ist, die oft einer Meditation, einem tiefen mystischen Versunkensein zu gleichen scheint� Dieser Musik scheint eine Kon- zentration eigen, gegen die alles andere nur stören kann, bedrohlich, uneigentlich erscheint� Musik als „dialektische Auseinandersetzung mit dem Zeitverlauf “1 ist immer auch Widerspruch zur daseienden Zeit im Sinne der bestimmten Negati- on: Sie hebt in sich auf, was sie negiert� So bricht Neue Musik mit der Harmonie einer in sich geschlossenen tradier- ten Formenwelt� Als Nicht-Musik erscheint hier der Fortschritt in der Musik� Überall sind Disharmonien, Brüche, Einbrüche festzustellen� Statt Sphärenhar- monie hören wir Trommeln, Schütteln, Rütteln, Kratzen, Quietschen, Brummen, Klimpern, Hupen, Schrammen, Poltern, schreckhaften Lärm, erschreckende Ge- räusche, Krach, Schreie, Röcheln� Aber was sind diese Geräusche, was ist dieser L...

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