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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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12. Schweigendes Verstehen

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1 Schweigend vernehmen wir das Nichts� Das Nichts macht sprachlos� Man versteht selbst das Nicht des Nichts nicht mehr, man versteht nur noch nichts� Man ist sprachlos, wortlos, aussagelos, sprachenthoben� Die Sprache versandet im Nichts, sie überspült sich selbst mit beredtem Gerede, das Sprachlosigkeit überdeckt� Die Spur der Sprache versandet im Nichts des Schweigens� Resignation breitet sich im Schweigen aus� Die anderen haben das Sagen, man selbst sagt nichts mehr, weil die anderen das Sagen darüber haben, was man war und ist� Sie sagen einem, wie das eigene Leben zu erinnern sei� Sie wissen es besser, als man selbst� Da kann man entweder nur aufschreien oder schweigen� Wir schweigen, weil wir nicht mehr schreien können und auch nicht mehr schreien wollen� Es hilft nichts� Schweigen ist das Können, nicht zu schreien� Es ist das Können, stumm aufzuschreien, sich zu verweigern, zu verschwinden, um wiederkehren zu können� Man täusche sich also nicht: wer schweigt ist nicht voll- ständig resigniert� Schweigen kann auch ein ungeheuerliches, ungeheures, gefähr- liches Stummsein bedeuten� Zunächst hat man keine Stimme mehr, ist mundtot, klaglos, aber in dieser Klaglosigkeit kann sich der angestaute Zorn gegenüber der Lüge des herrschenden Geredes zentrieren� Schweigen ist dann der Unterschlupf, der Ruhe, Mittigkeit, Entschlossenheit ermöglicht� Ab jetzt sagt man zunächst erst einmal nichts mehr (aus); man ist erstaunt, er- schrocken, schockiert, entrüstet, wütend, ohnmächtig, traurig, wortlos, sprachlos, redelos; jetzt schweigt man erst einmal, es ist...

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