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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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19. Erinnerung als Strafpraxis

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Unser Sein ist Handeln, das zu Selbstbewusstsein führen kann, aber nicht mit Selbstbewusstsein identisch ist� Das Handeln, das sich selbst bewusst werden kann, ist zunächst gestimmt durch den Leib, der sich in Wiederholungen be- wegt� In der „ewigen“ Wiederkehr der immer gleichen Bewegungen gründet sich das Körpergedächtnis, das immer mit Qual und oft auch mit niedrigstufigem Schmerz verbunden ist� Dass wir ein Körpergedächtnis haben basiert auf em- praktischer Erinnerung� Diese Erinnerung ist aber nicht nur am Leitfaden des Leibes, sondern dieser ist selbst am Leitfaden des Leides zu verstehen, insofern Leiben wesentlich Leiden ist� Wer wir sind, erfahren wir erst im Leiden, im Leiden-Können, im Schmerz, im Schmerz-Sein-Können� Durch das Leiden am Schmerz können wir erst mit- leiden� Das Subjekt wird im Leiden geboren� Das Leiden ist also positiv zu ver- stehen als Teil der Gesundung des Werdens eines neuen Selbst und das Leiden ist nicht nur als Krankheit zu begreifen� Demzufolge ist Leiden als Bestandteil der Salutogenese und nicht bloß der Pathogenese zu verstehen� Zu einer Philo- sophie der großen Gesundheit gehört, dass sie sich wesentlich als Pathosophie bestimmt� Früher machten wir uns mit den furchtbarsten Folterinstrumenten ein Ge- dächtnis; heute haben wir schön gestylte Fitnessgeräte� Nicht nur durch die physische und psychische Folter von Menschen, sondern auch im Sport (und Sex) handeln wir entsprechend einem Hauptsatz „der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden“, der da lautet, „nur was nicht...

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