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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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24. Hunger – Armut – Haben

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24.1 Der wahre Hunger Angstlust, wie die Angst insgesamt, ist nicht von der Stimmung zu trennen, dass etwas fehlt, das Hunger erzeugt und das sogar in das Nichts, den Tod führen könnte� Auch bei Bloch ist der Mensch ein Mängelwesen� Aber ganz anders als bei Arnold Gehlen� Bei Gehlen erfindet der Mensch die Technik, um sich gegenüber dem Tier überlegen zu machen, um sich von seiner mit Mängeln belasteten Na- tur mit technischer Kultur zu entlasten� Bei Bloch wird das ganz anders gedacht� Es mangelt nicht an Technik, sondern es mangelt an Erfüllung� Selbst wenn wir durch Technik dem Tierreich überlegen sind, haben wir noch keine Erfüllung ge- funden� Die Technik kann uns alle unsere Träume erfüllen, aber trotzdem bleibt die Leere� Der Hunger bleibt, selbst wenn wir glauben alles technisch auffüllen zu können� Es fehlt immer etwas, selbst wenn wir uns technisch immer besser aufrüsten� Unser Perfektionierungsdrang bleibt immer unbefriedigt� Hunger ist die Stimmung der Leere und der Hunger bleibt, selbst wenn wir glücklich sind� Rein technisch können wir unsere Sehnsüchte auffüllen, aber nicht erfüllen� Die Grundstimmung des Hungers ist die Stimmung der Uner- fülltheit, des Nicht-Glücklich-Seins; es fehlt immer etwas, selbst wenn wir alles haben, was man haben kann� Das Gefühl des Glücks ist erst einmal die Auffüllung von Leere� Es ist wie eine Tonne die vollaufen soll� Aber dann ist sie voll, läuft wom...

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