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«Les queues de siècle se ressemblent»: Paradoxe Rhetorik als Subversionsstrategie in französischen Romanen des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts

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Anne Effmert

Die Literaturkritik hat immer wieder Vertreter des französischen Gegenwartsromans unter den Schlagworten Fin de Siècle und Dekadenz verortet. Die Autorin macht sich die systematische Aufarbeitung dieser meist oberflächlich gebliebenen Annäherung zur Aufgabe. Anhand einer kontrastiven diskursanalytischen Lektüre ausgewählter Romane von Michel Houellebecq, Maurice G. Dantec, J.-K. Huysmans und Octave Mirbeau zeigt sie, dass die Autoren in ihren Texten nicht nur vergleichbare Motive reproduzieren, sondern darüber hinaus eine charakteristische Subversionsstrategie verfolgen. Diese kann als paradoxe Rhetorik beschrieben werden und hat allen Romanen eine vergleichbar kontroverse Rezeption eingebracht.

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5. Paradoxer Exotismus: vom Foltergarten zum Massagesalon

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Da also eine Rückkehr zur Natur in den hier besprochenen Romanen keinen Aus- weg aus einer krisengeschüttelten Existenz mehr zu bieten vermag, weil die Natur wie alle etablierten Wertvorstellungen der Verachtung anheimfällt, stellt sich die Frage, welche alternativen Möglichkeiten zur Flucht aus der verhassten Realität den Protagonisten noch zur Verfügung stehen. In ihrem Sammelband Crise fin- de-siècle et tentation de l’exotisme haben Guy Ducrey und Jean-Marc Moura einen Zusammenhang zwischen der allgemeinen Krisenstimmung, die das ausgehende 19. Jahrhundert umtreibt, und einer Faszination für den Exotismus in der Kunst hergestellt. Jean-Marc Moura postuliert hier, dass der „désir exotique“ des Fin de Siècle durchaus als Versuch der Befreiung aus einer als krisenhaft empfundenen Realität verstanden werden könne: Au lieu d’en [la crise] faire une donnée indépassable de sa condition et de son époque, au lieu de s’y résigner, il peut y reconnaître un seuil marquant la nécessité d’un re- nouvellement des valeurs et des perspectives. La crise devient alors acte de liberté et naissance d’un nouveau désir. La tentation de l’exotisme pourrait correspondre à cette libération envisagée.305 Auch Rolf Trauzettel zufolge steht der Exotismus im 19. Jahrhundert in engem Zu- sammenhang mit einer Krisenerfahrung des Individuums und wird immer mehr „Anlass zur Flucht vor sich selbst […] als zum Ziel einer Sehnsucht“.306 Gerade die Dekadenzliteratur kennzeichnet sich in der Tat durch eine ständige Versuchung der Flucht vor der unerträglichen Realität...

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