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«Les queues de siècle se ressemblent»: Paradoxe Rhetorik als Subversionsstrategie in französischen Romanen des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts

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Anne Effmert

Die Literaturkritik hat immer wieder Vertreter des französischen Gegenwartsromans unter den Schlagworten Fin de Siècle und Dekadenz verortet. Die Autorin macht sich die systematische Aufarbeitung dieser meist oberflächlich gebliebenen Annäherung zur Aufgabe. Anhand einer kontrastiven diskursanalytischen Lektüre ausgewählter Romane von Michel Houellebecq, Maurice G. Dantec, J.-K. Huysmans und Octave Mirbeau zeigt sie, dass die Autoren in ihren Texten nicht nur vergleichbare Motive reproduzieren, sondern darüber hinaus eine charakteristische Subversionsstrategie verfolgen. Diese kann als paradoxe Rhetorik beschrieben werden und hat allen Romanen eine vergleichbar kontroverse Rezeption eingebracht.

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7. Schlussbetrachtungen: zur problematischen Rezeption paradoxer Rhetorik

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Die vorausgegangenen Textanalysen haben gezeigt, dass sich in der Tat erstaun- liche Strukturähnlichkeiten zwischen den hier analysierten Romanen aufdecken lassen, wenn man davon ausgeht, dass diese nicht nur vergleichbare Themen und Motive verarbeiten, sondern sich vor allem auch durch einen charakteristi- schen Umgang mit der Doxa kennzeichnen: Alle Autoren wenden auf eine Reihe zeitspezifischer Diskurse – Dreyfusaffäre, Kolonialisierung, Klontechnik, Politi- cal Correctness – das Muster der paradoxen Rhetorik an, die als systematische Inversion semantischer und syntaktischer Strukturen definiert werden kann. Die Romane unterhalten so einen permanenten subversiven Dialog mit dem Wertesystem ihrer Zeit und generieren systematisch verstörende diskursive Po- sitionen, sodass sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung für vergleichbar kon- troverse Reaktionen seitens der Öffentlichkeit gesorgt haben, wie im Folgenden einige Rezeptionsbeispiele zeigen sollen. Diese machen abschließend nicht nur deutlich, wie provokativ die konsequente Anwendung der paradoxen Rhetorik auf gesellschaftliche Brennpunktthemen einen Text machen kann, sondern füh- ren vor allem auch die Relevanz einer kontrastiven diskursanalytischen Betrach- tungsweise subversiver Literatur vor Augen. 7.1 Moralische Ambivalenzen Eine auffällige Parallele zwischen den Rezeptionsstrukturen der hier besproche- nen Romane besteht darin, dass diese von Teilen der Kritik immer wieder als un- moralisch oder zumindest doch als moralisch fragwürdig beurteilt worden sind. Perverse dekadente Fantasien, reaktionäre Thesenromane – so und vergleichbar lauteten die zwischen Irritation und Empörung oszillierenden Urteile. Die Ge- genüberstellung der kontroversen Rezeption mit den Ergebnissen einer syste- matischen Diskursanalyse macht allerdings sehr deutlich, dass eindimensionale Verurteilungen als moralisch verwerfliche Literatur den hier untersuchten...

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