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Die deutsche Besatzung in Lyon im Blick der Täterforschung

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Elisabeth Meier

Die Autorin rekonstruiert anhand zahlreicher deutscher und französischer Quellen und der Methoden der Täterforschung den komplexen Unterdrückungsapparat während des Zweiten Weltkriegs in Lyon und beleuchtet jenseits des Mythos einer allmächtigen Gestapo die Frage nach den Tätern. Lyon nimmt als «Hauptstadt des Widerstands» eine zentrale Rolle im französischen Kollektivgedächtnis ein. Erinnerung wie Forschung sind dabei eng mit der Person Klaus Barbies verbunden, der durch seine Tätigkeit als Gestapo-Chef von Lyon und seinen Prozess 1987 zum Hauptsymbol der NS-Verbrechen in Frankreich wurde. Dieser einseitige Fokus ließ die Rolle weiterer Sipo-SD-Mitglieder und erst recht der militärischen Besatzer völlig in den Hintergrund treten. Beispielhaft dafür steht Werner Knab, Oberhaupt der Lyoner Sipo-SD.

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2. Der Einfluss der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die Bekämpfung des französischen Widerstands in Lyon

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77 2. Der Einfluss der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die Bekämpfung des französischen Widerstands in Lyon 2.1 Das Bild des Widerständlers in den deutschen Quellen 2.1.1 Juristische Grundlagen und praktische Interpretation in Frankreich Bevor das Bild des Widerständlers oder „Freischärlers“ in den deutschen Quellen analysiert werden kann, gilt es, die juristischen Grundlagen zu untersuchen, auf die sich die deutschen Besatzer in ihrer Repressionspolitik stützten. In der neueren Historiographie zur Besatzung Frankreichs und Westeuropas wird der juristische Aspekt nicht immer berücksichtigt.306 Po- sitive Ausnahmen bilden Peter Lieb mit einem ganzen Kapitel zur Theorie des Partisanenkriegs sowie Thomas J. Laub mit einer Überblicksdarstellung zur Okkupation Frankreichs.307 Eine Auseinandersetzung mit dem völkerrechtlichen Diskurs auf deut- scher Seite ist deshalb von zentraler Bedeutung, weil die Besatzer in Frank- reich, ganz im Gegensatz zum Osten, bemüht waren, daraus Legitimität abzuleiten.308 Die Rechtsgrundlage im besetzten Frankreich bildete das humanitäre Völkerrecht und insbesondere die Haager Landeskriegsord- nung (HLKO) von 1899/1907,309 die sich mit Fragen der Kriegsführung, der Kriegsgefangenen und der militärischen Gewalt in besetzten Gebie- ten befasst.310 Allerdings hatte bereits der Erste Weltkrieg die Grenzen der HLKO offengelegt. Lücken im positiven Recht ermöglichten eine regellose 306 Ahlrich Meyer z. B. erwähnt nur flüchtig die europäischen Kriegsgesetze und die deutsche Interpretation davon im Kampf gegen die Widerständler. Vgl. Ahlrich Meyer (2002), S. 161. 307 Peter Lieb (2007), S. 233–258; Thomas J. Laub, After the fall. German policy...

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