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Beratung in der Weiterbildung als institutionelle Interaktion

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Tim Stanik

Die Studie bezieht Institutionen als pädagogische Organisationsformen und Beratungen als interaktive Prozesse systematisch aufeinander. Mit dem Ziel, die latenten Einflüsse der institutionellen Anbieter und die ihrer Träger auf Beratungen in der Weiterbildung zu rekonstruieren, werden Beratungen einer Volkshochschule und einer kommunalen Weiterbildungsberatungsstelle interaktionsanalytisch und ethnografisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Weiterbildungsberatungen nicht nur eine inner- und außerinstitutionelle Lotsenfunktion übernehmen und von institutionellen Interessen geleitet werden, sondern auch maßgeblich vom institutionellen (Nicht-)Wissen und den Routinen der Beratenden abhängig sind.

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1 Einleitung

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1.1 Beratung als Thema der Weiterbildung Bedeutungszuwachs von Beratung in der Gesellschaft Beratung ist zu einer der zentralen Dienstleistung in unserer Gesellschaft geworden. Da in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen (z. B. in der Wirtschaft, im Sozial- wesen, im Gesundheits- oder im Bildungssystem) Beratungsangebote existieren, scheint es nur folgerichtig, von einer „beratenen Gesellschaft“ zu sprechen (vgl. Schützeichel/Brüsemeister 2004). Ob Individuen oder Unternehmen nicht weiter wissen, vor Entscheidungen stehen, Prozesse optimieren wollen etc.: Beratung ist das Instrument der Wahl, für das es keiner Rechtfertigung bedarf. Die zunehmende Bedeutung von Beratung kann mit gesellschaftlichen Entwick- lungen wie der der „Wissensgesellschaft“ (Stehr 1994) und der der reflexiven Mo- dernisierung (vgl. Beck 1999) begründet werden. In wissensbasierten Gesellschaften ist (wissenschaftliches) Wissen die zentrale Ressource, um an neuen Technologien teilzuhaben oder volkswirtschaftlich Wachstum zu generieren.1 Wissen ist in der Wissensgesellschaft dadurch gekennzeichnet, dass es nicht einmalig durch Erfah- rung oder (akademische) Ausbildung erworben wurde, sondern kontinuierlich als verbesserungswürdig betrachtet und ständig revidiert wird. Wissen wird nicht als Wahrheit angesehen, sondern als Ressource und ist auf Nichtwissen angewiesen (vgl. Willke 1998, S. 161). Vor diesem Hintergrund treten sogenannte „knowledge worker“ u. a. in den Rollen ‚Beratende‘ und ‚Rat gebende‘ auf (vgl. Stehr 1994, S. 383), die über nachgefragtes, aber nicht über unhinterfragtes Wissen verfügen (vgl. Nolda 2001, S. 92), um zwischen Wissensproduzenten und -konsumenten zu vermitteln (vgl. Stehr 1994, S. 378). Während Beratung in der industriellen Gesellschaft noch vornehmlich von Pro- fessionellen (z. B. Medizinern, Juristinnen) für einzelne...

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