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Die Organ- und Vertreterhaftung im deutschen Strafrecht

Eine Untersuchung zur Konzeption der Rechtsfigur und deren Folgen in der praktischen Rechtsanwendung

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Frédéric Schneider

Das Buch behandelt die Organ- und Vertreterhaftung im deutschen Strafrecht. In Zeiten zunehmender Arbeitsteilung, komplexer juristischer Gesellschaftsgebilde und ansteigender Anzahl an Sonderdelikten muss im (Wirtschafts-)Strafrecht immer häufiger auf diese Rechtsfigur zurückgegriffen werden. Trotz dieser steigenden Bedeutung sind viele grundlegende Fragen hier bisher offen geblieben. Anhand einer verfassungsrechtlich begründeten Kategorisierung der Sonderdelikte untersucht der Autor die Konzeption, die der Organ- und Vertreterhaftung zu Grunde liegt. Das Ergebnis wendet er auf offene Fragen und Streitstände an, die sich in der praktischen Anwendung der Rechtsfigur ergeben und formuliert davon ausgehend rechtspolitische Änderungsvorschläge.

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4. Abschnitt – Anwendung aufweitere Streitstände

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213 4. Abschnitt – Anwendung auf weitere Streitstände Im Folgenden kann die Theorie der unrechtsgelösten Tatbestandserweiterung auf weiter maßgebliche Streitstände des § 14 StGB angewandt werden. Erst wenn sich mit Hilfe der neuen Grundkonzeption hierbei eindeutige und vertretbare Lösungen ergeben, kann die Herangehensweise für sich beanspruchen auch einen tatsächli- chen Fortschritt darzustellen. Betrachtet werden sollen die Fragen, ob § 14 StGB auf den faktischen Geschäfts- führer Anwendung finden kann, ob die Organ- und Vertreterhaftung durch Sozi- aladäquanzerwägungen eingeschränkt werden soll, wie sich die Rechtsfigur bei der Mitarbeit in Gremien auswirkt, ob sich die deliktische Haftung aus § 823 Abs. 2 BGB auf Strafbarkeiten anwenden lässt, die erst unter Rückgriff auf die Organ- und Vertreterhaftung geschaffen wurden, und zuletzt, ob sich aus einer etwaigen Unter- nehmensstrafbarkeit Folgen für die Rechtsfigur ergeben würden. Auch hier können jeweils nur kurze Zusammenfassungen der Streitstände erfol- gen, da eine umfassende Darstellung den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten würde. Entscheidend ist an dieser Stelle vornehmlich, ob die Theorie der unrechts- gelösten Tatbestandserweiterung ihre bereits im vorhergehenden Abschnitt ange- deutete Praktikabilität bestätigen kann. A. Inhaber materieller Sonderstellung ohne hinreichenden Status – Faktischer Geschäftsführer Die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Personen, welche in Gesellschaften tat- sächlich Machtpositionen einnehmen, die eigentlich mit einem Status einhergehen, ohne aber formal Statusträger zu sein, wird zumeist unter dem Topos der faktischen Geschäftsführerschaft diskutiert.1090 Hinter diesem Begriff verbergen sich richti- gerweise verschiedene...

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