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Im intertextuellen Schlangennest

Adam Mickiewicz und polnisch-russisches (anti-)imperiales Schreiben

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Heinrich Kirschbaum

Die Monographie leistet einen Beitrag zu einer Forschungsrichtung, die man analog zur New Imperial History als Neue Imperiale Literaturgeschichte bezeichnen könnte.
Durch die Verbannung des polnischen Dichters Adam Mickiewicz nach Russland kam es in den 1820er Jahren zu einer in ihrer Intensität einmaligen Begegnung zwischen der polnischen und russischen Romantik. Paradigmatische Geltung haben vor allem die konfliktreichen Konstellationen zwischen Mickiewicz und Puškin. Im Kontext postkolonialer Ansätze zu Ostmitteleuropa untersucht das vorliegende Buch das intertextuelle Spannungsfeld, in dem die beiden Literaturen ihre (anti-)hegemonialen Schreibstrategien entwickelten und dabei kontroverse poetisch-politische Polen- und Russland-Figurationen entwarfen, die bis heute nachwirken.

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5. Epilog (oder Prolog?): Todesgenius und Finis Poloniae

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Po owej porażce… Nach jener Niederlage… Adam Mickiewicz (1955, I, 368) Идите, сумасшедшие, из России, Польши. Сегодня я – Наполеон! Я полководец и больше. Сравните: я и – он! Kommt, Verrückte, aus Russland und Polen. Heute bin ich Napoleon! Ich bin ein Feldherr und mehr. Vergleicht: Ich und – er! Vladimir Majakovskij (1955, 73) In der Poetik des Fluches schlug sich die diskursive Ohnmacht nach dem ge- scheiterten Aufstand nieder. Die Niederlage von 1831 erinnert Mickiewicz je- doch an eine andere Resignation, an das größte traumatische Erlebnis seiner Generation,409 den missglückten Feldzug Napoleons gegen Russland von 1812, der zunächst die Hoffnungen auf die Wiederherstellung Polens in den Grenzen vor der ersten Teilung belebte und sie dann endgültig begrub: Wicher, wdarłszy się do [mroźnego] cichego boru, Po bryłach lodu i po śniegów puchu, Jak Napoleon biega bez oporu, W końcu zdrętwiały, upada bez duchu. (Mickiewicz 1995, 537) Der Wind, in den [frostigen] stillen Hochwald hineingeraten, / Über die Eisschollen und über den Schneeflaum, / Rennt wie Napoleon, ohne Widerstand, / Am Ende einge- schlafen, fällt er leblos. 409 Vgl. den sprechenden Titel des Buches von Danuta Zawadzka Pokolenie klęski 1812 roku (Die Generation der Niederlage von 1812, 2000). Zur Ästhetisierung der Nie- derlage bei Krasiński vgl. Janion 2007, 437–456. 386 Epilog In diesem Vierzeiler aus einem Manuskript zu Droga do Rosji410 wird der russi- sche Winter zum Chronotopos des Untergangs von 1812. Im folgenden, die Mo- nographie abschließenden Kommentar zum intertextuellen Umfeld dieser Verse wird diskutiert, warum Mickiewicz das zitierte Fragment...

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