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Haftungsfall Burn-Out

Ein Beitrag zur Klärung haftungsrechtlicher Probleme im Rahmen von arbeitsbedingtem Stress und Überbelastung – Insbesondere unter Berücksichtigung der japanischen Rechtslage zu den Phänomenen Karôshi und Karô-jisatsu

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Frank Schemmel

Die Anzahl stressinduzierter Erkrankungen wie Burn-out nimmt immer weiter zu. Bislang ist in Deutschland höchstrichterlich noch ungeklärt, wie Burn-out haftungsrechtlich zu bewerten ist. Der Autor untersucht dieses Problem aus multidisziplinärer Perspektive, indem er Burn-out zunächst aus arbeitspsychologischer Sicht beschreibt und sodann sozial- und zivilrechtlich einordnet. Dies geschieht insbesondere unter dem Aspekt, ob Burn-out als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit zu qualifizieren ist. Dabei erarbeitet er mit Rückgriff auf die japanische Rechtslage zu Karôshi/Karô-jisatsu (Tod durch bzw. Selbstmord wegen Überarbeitung) verschiedene Lösungsansätze für den deutschen Rechtskreis sowohl in dogmatischer als auch praxisnaher Hinsicht.

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B. Grundlagen

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I. Belastung und Stress – Definitionen und grundlegende Modelle 1. Definition Der aus dem Lateinischen stammende, englische Begriff „Stress“ (lat. stringere = zusammendrücken, zusammenziehen23) wird in der heutigen Zeit recht un- terschiedlich gebraucht. Ursprünglich kommt dieser Begriff aus der Material- prüfung und bedeutet Druck, Belastung, Gewicht oder aber Anspannung und Verzerrung von Metallen oder Glas.24 Es handelt sich also um die Einwirkung einer äußeren Kraft auf eine Struktur, die ab einer gewissen Druckintensität zur Verformung führt.25 Im Alltag beschreiben wir damit einerseits auslösende Bedingungen von Stress (z.B. „Der Zeitdruck bei meiner Arbeit stresst mich“). Andererseits wird der Begriff „Stress“ verwendet, um die Reaktion auf solche auslösenden Bedingungen wie Zeit- und Leistungsdruck zu beschreiben, und damit auch den aktuellen Zustand („Ich fühle mich belastet und stehe unter Stress“).26 Auch in der Stressforschung gibt es terminologische Unklarheiten. Der Begriff „Stress“ wird uneinheitlich gebraucht und unterlief im Verlauf der Zeit verschiedenen Deutungen und Definitionsversuchen. Zwangsläufig führte dies zu Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftlern über eine eher breite oder enge Definition, über physiologische oder psychologische Theorien und über angemessene und unangemessene Messmethoden.27 In diesem Zusam- menhang wird von manchen Forschern sogar von „babylonischer Sprachver- wir rung“28 bzw. „babylonisches Begriffswirrwarr“29 gesprochen, ja schon fast 23 Litzcke/Schuh, S. 6; Barthold/Schütz, S. 21; Europäische Kommission Generaldirektion Beschäftigung und Soziales, Streß am Arbeitsplatz – ein Leitfaden, 2000, S. 3. 24 von Trotha, S. 27; Litzcke/Schuh, S. 6; Bundesverband der Unfallkassen, Psychische Belastungen am Arbeits- und Ausbildungsplatz...

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