Show Less

Geschlechterbilder im Vertreibungsdiskurs

Auseinandersetzungen in Literatur, Film und Theater nach 1945 in Deutschland und Polen

Series:

Kirsten Möller

Dieses Buch widmet sich den Geschlechterbildern im Vertreibungsdiskurs nach 1945. Dafür analysiert die Autorin literarische, filmische und theatrale Auseinandersetzungen mit den historischen Ereignissen von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung Deutscher und Polen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum steht die Frage nach den narrativen Strukturen, die das Erzählen von Heimatverlust und erneuter Beheimatung prägen. Die Autorin folgt dabei einer «gender-orientierten Erzähltextanalyse» in ihrer Einbettung in erinnerungskulturelle Zusammenhänge. Angesichts der transnationalen Dimension des Vertreibungsdiskurses überschreitet das Buch in Anlehnung an verflechtungsgeschichtliche Ansätze die Grenzen einer nationalen Erinnerungsgeschichte.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Heimatverlust und Geschlechterbilder

Extract

35 1. Heimatverlust und Geschlechterbilder 1.1 Die historischen Ereignisse Deutsche und polnische Geschichten von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung kreuzen sich auf der historischen Mikroebene dort, wo während des Zweiten Weltkriegs Deutsche aus dem östlichen Europa oder dem Reichsgebiet die ent- eigneten Höfe vertriebener oder ermordeter Polen übernahmen und wo bei Kriegsende Polen in die noch oder noch kürzlich von Deutschen bewohnten Häuser und Wohnungen zogen. Fiktionale Auseinandersetzungen mit histori- schen Ereignissen sind, ohne eine zumindest grundlegende Verständigung über den geschichtswissenschaftlichen Forschungsstand, nicht zu verstehen. Ich gehe dabei von einem Verständnis der Geschichtswissenschaft aus, das sich nicht auf einer Ansammlung von vermeintlichen Fakten gründet, sondern die Historio- graphie als eine Form des Erzählens begreift, mit deren Hilfe Ereignisse der Ver- gangenheit für die Gegenwart aktualisiert werden.87 Mathias Beer hat mit Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen (2011) eine Monographie vorgelegt, die einen Überblick über die historischen Ereignisse geben will, mangelte es doch bislang an solchen Einfüh- rungen auf dem aktuellen Stand der Geschichtswissenschaft. Als die zentralen Voraussetzungen der Ereignisse benennt er die seit dem Ende des 18. Jahrhun- derts virulenten Ideen von Nationalstaat und Nationalismus, die NS-Politik und „die sich neu herausbildende, von der Sowjetunion und den USA bestimmte bipolare Machtkonstellation“.88 Die bevölkerungspolitischen Konzepte und Maßnahmen zur Realisierung eines homogenen Nationalstaats, wie Umsiedlun- gen und Vertreibungen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts diskutiert wurden, bilden den größeren Zusammenhang, in den Flucht, Vertreibung und Umsied- lung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.