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«Bande dessinée» als Experiment

Dekonstruktion als Kompositionsprinzip bei Marc-Antoine Mathieu

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Kathrin Hahne

Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, wie Mathieus experimentelle Bandes dessinées den von Derrida inspirierten Diskurs zum Thema Dekonstruktion aufgreifen, illustrieren und dabei in einer ästhetisch höchst ansprechenden, kreativen Weise verarbeiten. Der Fokus liegt auf der bei Delcourt veröffentlichten Serie Julius Corentin Acquefacques, prisonnier des rêves, die im besonderen Maß ein Ausdruck des spielerisch-experimentellen Umgangs des Autors mit Themen, Traditionen und Normen der Bande dessinée ist. Anhand ihrer Komplexität und sinnaufschiebenden Dynamik zeigt die Autorin, inwiefern Sinn in den Alben Mathieus unaufhörlich akkumuliert und diffundiert.

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1 Einleitung

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1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit Gefragt nach der Besonderheit seiner Bandes dessinées1 antwortet der Autor Marc-Antoine Mathieu in einem Interview: „Mes histoires sont des jeux de construction2, des divertissements interrogatifs� Elles doivent avant tout me sur- prendre moi-même, et ensuite le lecteur si c’est bien fait�“3 Tatsächlich bergen die gezeichneten Geschichten des 1959 geborenen Franzosen unterhaltsame Überra- schungen, zugleich aber irritieren und verunsichern sie den Leser in verschiede- ner Hinsicht zutiefst: z�B� in dessen Lesegewohnheiten, dessen Annahmen über das Verhältnis von Fiktion und Realität und metaphysischen Welterklärungen� 1 Bedingt durch die Herkunft des Autors, die Konventionalität des Begriffs im franko- phonen Raum und die Zuordnung dieser Arbeit zur deutschen Romanistik wird in die- ser Arbeit grundsätzlich die französische Bezeichnung bevorzugt� Zudem legitimiert sich diese Präferenz durch folgende, bei Lohse entliehene Überlegungen: „[D]ie fran- zösische Bezeichnung verweigert den im englischen Begriff noch enthaltenen Hinweis auf das komische Register, der längst für viele bandes dessinées nicht mehr gilt […]� Der französische Begriff bezeichnet zudem genauer die Narrativität des Mediums, das auf dem Prinzip der Aneinanderreihung von (zumeist) gezeichneten Bildern (bande dessinée) beruht�“ Lohse 2009: 309� Die Nutzung des Begriffs „Comic“ als Oberbegriff ist deswegen nicht per se obsolet, sondern nicht zuletzt deswegen sinnvoll, weil Comics nach Schüwer „kein Genre darstellen“, sondern „ganz eigene Anforderungen an die Rezeption stellen�“ Schüwer 2008: 11� Diese Anforderungen bedingen sich dadurch, dass im Comic „mithilfe...

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