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Die Quantenversion der Gestaltung

Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation am Beispiel der Landschaftsarchitektur

Anita Biedermann

Die Autorin bietet einen Lehransatz für Landschaftsarchitektur. Sie untersucht das zeitlose Muster großer Meister der Gartenkunst und führt das Prinzip der Gestaltung auf quantentheoretische Anordnungen zurück. Diese führen zur Ersetzung der ästhetischen Gestaltungsprinzipien durch das Evolutionsprinzip des Ausgleichs und der Kooperation. Durch Kohärenzbetrachtungen insbesondere der Biologie der Erkenntnis, der bildenden Kunst, der Architektur und der Kreativitätsforschung wird jedes Detailwissen mit der Gesetzmäßigkeit komplexer nichtlinearer Prozesse verbunden. Inmitten des Wandels wird so die Kontinuität zurückgewonnen – ein Denkansatz, der durch seine größere Flexibilität, bemerkenswerte Reichweite und Prägnanz der Gestaltung einen Durchbruch schafft.

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Die Relativität der Gartenkunstgeschichte

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Vorträge über Gartenkunst werden allzu gerne nach dem Muster eines Kalei- doskops bunter Bilder unterschiedlicher Gartenstile vorgetragen. Eine solch an- tiquarische Betrachtung der Gartenkunst, die in vergangenen Kulturleistungen eine höhere Priorität sieht als in der Entwicklung zeitgemäßer Gestaltungsansät- ze, folgt dem Prinzip, die Wirklichkeit geschichtlich, als einen Prozess ständiger Veränderungen und Entwicklungen zu erfassen, was zeitlose Gestaltungsprin- zipien ausschließt. Historisch gesehen folgt diese Sicht dem Historismus, einer geistige Bewegung, die vom Ende der Aufklärung bis in die 1960er Jahre zu einer Historisierung der Weltsicht führte. Die Methode, alle Dimensionen der Wirk- lichkeit unter eine rein individuelle, zeitlich und räumlich begrenzte historische Entwicklung zu substituieren, wurde bereits im späten 18. Jahrhundert als die Relativität der Geschichte erkannt und kritisiert. Die Entwicklung einer Entwurfslehre muss zwangsläufig bei dieser Kritik an- setzen und zu einer vertikalen Sicht wechseln, aus der Einsichten in die gegen- standsübergreifenden Ordnungs- und Funktionsprinzipien möglich werden, um zu einer allgemeinen Struktur der Wirklichkeit zu gelangen. Dabei geht es um die Sichtbarmachung der Kontinuität des Denkens großer Meister der Garten- kunst. Über die Transparenz ihres Denkansatzes kann eine Umorientierung von der Unbewusstheit des Entwurfsprozesses zur Reflexion veränderbarer Hand- lungsweisen erfolgen. Dies setzt die Unterscheidung zwischen der Einmaligkeit ei- nes historischen Ereignisses und dem naturgesetzlichen Vorgangsschema voraus, das die Kontinuität großer Meister der Gartenkunst ausmacht. Die Gartenkunst- geschichte, die sich – entsprechend ihrer geisteswissenschaftlichen Methode – auf spezielle Einzelfälle bezieht, ist...

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