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Die Verfassungsbestrebungen der Tanzimât-Periode

Das «Kanun-i Esasî» – Die osmanische Verfassung von 1876

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Tunay Sürek

Dieses Buch beschäftigt sich mit der Tanzimât-Periode, welche den Zeitraum von 1839 bis 1876 umfasst und den Beginn der Neuordnung von Recht und Gesellschaft in der osmanischen Geschichte darstellt. Tanzimât bedeutet übersetzt «heilsame Neuordnung». Die Neugestaltung und damit die Europäisierung des osmanischen Verfassungsrechts wurde in mehreren Phasen eingeführt. In diesem Kontext stellt sich unter anderem die Frage, inwieweit die Tanzimât-Periode mit ihren gesetzlichen Anordnungen eine Demokratisierung des Rechts (und womöglich der Gesellschaft) im Osmanischen Reich vorangetrieben hat. Mit dem Verfassungstext im Sinne des europäischen Konstitutionalismus des 19. Jahrhunderts kann auch erstmals von Rezeption, Transfer oder (kultureller) Translation ausländischen Verfassungsrechts (Belgiens und Preußens) gesprochen werden.

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Viertes Kapitel: Vergleichbare Reformen im 19. Jahrhundert in und um Europa sowie im fernen Osten – zur Permeabilität geographischer und kultureller Grenzen

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I. Kriterien der Betrachtung und des Vergleichs Auch in anderen Ländern traten zur selben Zeit Reformer auf, um in ihren jewei- ligen Staaten eine gesellschaftliche und rechtliche Neuordnung durchzusetzen. Daher richtet die Untersuchung ihren Blick auch auf frühere oder parallele Ver- fassungsreformen, wie in Preußen ab dem Jahr 1806, in Russland ab 1864 und in Japan in der Zeit ab 1868. Russland und insbesondere Japan sind, wie das Osma- nische Reich, Europa nicht nur von der Distanz her ferner, sondern auch kultu- rell anders verwurzelt als die europäischen Länder. Daher sind sie als Beispiele gut geeignet, um die Ambivalenzen zwischen „alt“ und „neu“, „Ost“ und „West“, „Orient“ und „Okzident“ oder wie auch immer diese Unterschiede in ihren Be- nennungen zum Ausdruck gebracht werden, kontrastreicher darzulegen. Sie sind der Darstellung von genuin europäischen Reformprozessen in nichteuropäischen Ländern dienlich. Hierbei werden als Vergleichskriterien kulturelle und gesellschaftliche Hinter- gründe (unter anderem religiöse und gesellschaftliche Gruppen) herangezogen, mögen sie aufgrund außenpolitischen oder innenpolitischen Drucks erzeugt wor- den sein, wobei jedes Land natürlich seine eigenen Gegebenheiten, seine eigene Geschichte und Identität hat und ein Vergleich mit den Reformen im Osmani- schen Reich insofern in Teilen schwierig ist. II. Inhalte der Reformen 1. Preußen ab 1806 Die militärische Niederlage Preußens gegen Frankreich in der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 führte zum Zusammenbruch Preußens und „indirekt“ auf den grundlegenden preußischen Reformweg. Neben dieser...

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