Show Less

§ 237 StGB – Das Verbot der Zwangsheirat

Series:

Neele Marleen Schlenker

Die Zwangsheirat stellt einen gravierenden Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen dar. Seit einigen Jahren versucht der Gesetzgeber deshalb mit einer ausdrücklichen Erwähnung der unter Zwang geschlossenen Ehe im Gesetzestext, diesem Phänomen auch verstärkt mit den Mitteln des Rechts zu begegnen. Im Bereich des Strafrechts ist de lege lata § 237 StGB die insoweit maßgebliche Verbotsnorm. Aber ist insbesondere das Strafrecht ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Zwangsheirat? Diese Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, ob und inwieweit es mithilfe des Strafrechts gelingen kann, an phänomenologische Besonderheiten anzuknüpfen und auf diese Weise im Rahmen eines ganzheitlichen Schutzauftrages einen effektiven Beitrag zur Bekämpfung der Zwangsheirat zu leisten. Vor diesem Hintergrund ließ sich ein neuer Gesetzesvorschlag entwickeln.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

III. Umfang und Struktur der Zwangsheirat in Deutschland

Extract

67 III. Umfang und Struktur der Zwangsheirat in Deutschland Um ein möglichst abgerundetes Bild von dem Phänomen zu erhalten, sind wei- terhin Umfang und Struktur der Zwangsheirat in Deutschland zu untersuchen. Für den Umfang, sprich die Ermittlung der Frage, wie viele Personen jährlich von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind, gilt dies vor allem im Hinblick auf Fallzahlen vor der Einführung des § 237 StGB im Juli 2011. Stellt man den präventiven Charakter des § 237 StGB heraus, also die der Norm innewohnende Abschreckungsfunktion, so muss davon ausgegangen werden, dass die Neuerung gerade den Sinn und Zweck hat, diese Fallzahlen zu senken.324 Eine in dieser Arbeit später folgende Gegenüberstellung der Fallzahlen vor und nach der Ein- führung der Norm wird damit ermöglicht. Fraglich ist allerdings bereits, ob es sich überhaupt als erforderlich darstellt, die Fallzahlen zu senken, oder ob nicht ohnehin nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung statistisch von Zwangsheirat betroffen ist, sodass eine Senkung der Fallzahlen kaum noch möglich ist. Strukturell soll dargestellt werden, welcher Herkunft, welchen Alters und wel- chen Geschlechts die von Zwangsheirat Betroffenen sind. Interessant ist es dabei auch, das Verhältnis von Täter und Opfer zu veranschaulichen und sonstige Be- sonderheiten zu verdeutlichen. 1. Anwendung von Statistiken Aktuelle Statistiken sind die geeignete Quelle dafür, erste Kennzahlen zu Umfang und Struktur der Zwangsheirat zu erhalten. In Betracht kommen insbesondere die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), die die Tatverdächtigen325 nach Jahr, Alter und Geschlecht erfasst, sowie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.