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Identitätsbildung und Partizipation im 19. und 20. Jahrhundert

Luxemburg im europäischen Kontext

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Edited By Norbert Franz, Thorsten Fuchshuber, Sonja Kmec, Jean-Paul Lehners and Renée Wagener

Gesellschaften mit starker Einwanderung kennzeichnen vielfältige Formen von Identitätsbildung und das Ringen um politische und zivilgesellschaftliche Partizipation. Dies gilt in besonderer Weise für Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. Hier entstand in einem Kleinstaat eine der jüngeren Nationen Europas und zugleich eine besonders offene, plurikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Ziel dieses Bandes ist es, die Entstehung dieser Mehr-Kulturen-Gesellschaft im europäischen Zusammenhang zu verstehen. Die einzelnen Beiträge analysieren mit Hilfe unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Annäherungen exemplarische Konfliktlinien der Identitätsbildung und des Kampfes um Partizipation.

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I. Politische Teilhabe in der ländlichen Gesellschaft

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Michel Dormal und Dominik Trauth Landwirtschaftliche Interessenvertretung in Luxemburg im Spannungsfeld von Berufskammern, Parteiensystem und Genossenschaften Sie können sich nicht vertreten, sie müssen vertreten werden.1 (Karl Marx über die Bauern) 1. Einleitung In seinem Aufsatz „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ behauptete Karl Marx, die an lokale Verhältnisse gebundene Lebensweise der Bauern be- dinge ein Defizit an „Klassenbewusstsein“, „nationaler Verbindung“ und politi- scher Organisationsfähigkeit. Der Repräsentant der Bauern müsse daher zugleich ihr Herr sein, der ihnen im Gewand des alten ordo ‚Schutz und Schirm‘ bieten müssen.2 In der Tat war der große Prozess der Agrartransformation, der vor rund 150 Jahren auch im Großherzogtum begann, für die ‚einfachen‘ Landwirte mit zahlreichen existenzbedrohenden Umbrüchen verbunden. Die Landwirt- schaft stand um die Wende zum 20. Jahrhundert vor einem stetig wachsenden „Modernisierungsdruck“.3 Nicht nur die ländliche Gesellschaft veränderte ihr Angesicht. Im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung wandelten sich die Gesellschaften des 1 Marx, Karl, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte [zuerst 1852], in: Marx, Karl / Engels, Friedrich, Werke, Bd. 8, Berlin 1960, S. 111–207, hier S. 198. 2 Ausführlicher: Marx, Brumaire (Anm. 1), S. 198–200. 3 Eine besonders instruktive Darstellung bieten Mooser, Josef, Das Verschwinden der Bauern. Überlegungen zur Sozialgeschichte der „Entagrarisierung“ und Modernisie- rung der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert, in: Münkel, Daniela (Hg.), Der lange Abschied vom Agrarland. Agrarpolitik, Landwirtschaft und ländliche Gesellschaft zwischen Weimar und Bonn (Veröffentlichungen des Arbeitskreises Geschichte des...

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