Show Less

Altchristliche Literatur und kritische Historie bei Franz Overbeck

Vier Studien

Johann-Christoph Emmelius

Der Autor geht in vier Studien der wissenschaftlichen Arbeit des Kirchenhistorikers Franz Overbeck nach. Unter Verwendung unveröffentlichter Vorlesungen rekonstruiert er Overbecks Arbeit am Konzept einer altchristlichen Literaturgeschichte sowie an der Entstehungsgeschichte des neutestamentlichen Kanons. Er zeichnet zudem Reflexionen Overbecks auf wissenschaftliche Kirchenhistorie nach und beschreibt die Verwendung des Begriffs «profane Kirchengeschichte». Er zeigt, wie – im Kontrast zum Öffentlichkeitsanspruch des Aufklärers Kant – Overbecks Öffentlichkeitsscheu als kritischer Historiker des Christentums wächst.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Studie 2 Die Grundlinien von Overbecks Entwurf der Kanonsgeschichte des Neuen Testaments

Extract

0 Einleitung 0.1 Quellen der Rekonstruktion von Overbecks Entwurf einer neutestamentlichen Kanonsgeschichte Im Jahre 1880 veröffentlichte Overbeck ein schmales, 142 Seiten um- fassendes Buch, das den Titel trug „Zur Geschichte des Kanons. Zwei Abhandlungen“186. Die erste der beiden Abhandlungen ist dem Hebräerbrief gewidmet.187 Overbeck legt hier zunächst die literarkritische Hypothese dar, dass, um dem Schriftstück den Anschein eines paulinischen Briefs zu geben, der ur- sprüngliche Briefanfang beseitigt und der Briefschluss (Hebr. 13, 22–25) angefügt wurde. Overbeck verfolgt dann den unterschiedlichen Verlauf der Kanonisierung des Hebräerbriefs im Morgenland und im Abendland. Im Morgenland wurde der Brief seit Clemens Alexandrinus, wenn auch zunächst nicht seiner sprachlichen Form, sondern nur seinem Inhalt nach, als paulinisch angesehen und als paulinischer Brief zum neutestamentlichen Kanon gerechnet. Im Abendland galt der Brief dagegen zunächst nicht als ein Werk des Paulus. Er wurde darum nicht als Teil des Kanons akzeptiert, geriet während des 3. und des beginnenden 4. Jahrhunderts in völlige Ver- gessenheit und wurde erst danach im Anschluss an die morgenländische Theologie als 14. Paulusbrief in den Kanon aufgenommen. In der zweiten Abhandlung188 setzt Overbeck sich kritisch mit einem von Harnack 1879 unter dem Titel „Das Muratorische Fragment und die 186 Das Buch wurde 1965 von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft reprogra- phisch nachgedruckt und 1994 mit einer Einleitung von R. Brändle in OWN, Bd. 2, 379–538 neu herausgegeben. 187 Die Tradition der alten Kirche über den Hebräerbrief. (OWN, Bd. 2,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.