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Text und Performanz

Eine Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht zwischen Normativität und Spiritualität

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Jörg Ballnus

Das Buch bietet den Entwurf einer Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht. Der Autor geht der Frage nach, wie ein derart zentraler Begriff wie der des Gebets an Schärfe und Kontur gewinnen kann, wenn er Gegenstand des islamischen Religionsunterrichts wird. Wo verlaufen die Grenzen in einem Unterrichtsfach, welches zwar eine res mixtae zwischen Staat und Religionsgemeinschaft ist, bezüglich des religiösen Klimas im Klassenzimmer vor dem Hintergrund des Überwältigungsverbots jedoch besondere Bedingungen an die Unterrichtenden stellt? Muslimische Schülerinnen und Schüler kommen mit heterogenen lebensweltlichen Bezügen in die Schule. All die normative Vielfalt will dann mithilfe geeigneter didaktischer Mittel in die unterrichtliche Ebene übersetzt sein. Letztlich kann ein sich all dieser Fragen bewusster islamischer Religionsunterricht seinen Anteil dazu leisten, das Gebet zwischen normativen und spirituellen Ansprüchen erfahr- und vor allem auch reflektierbar zu machen.

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3. Kapitel: Normative Rahmenbedingungen

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3.1 aṣ-ṣalāt in der fiqh-Literatur Das muslimische Pflichtgebet (aṣ-ṣalāt) findet seinen Ort in einer umfangreichen Literaturgattung, die sämtliche Gegenstände des fiqh in umfangreichen Werken darstellt. Wir finden hierzu in allen klassischen fiqh-Werken ein separates Kapi- tel, welches sich mit den Normen des Gebets beschäftigt und alle diesbzüglichen Normen und Regeln darstellt. Das Kapitel, das diese Aufgabe übernimmt, heißt kitāb aṣ-ṣalāt und stellt somit innerhalb der fiqh-Texte über die ʿibādāt nach den Abhandlungen über die rituelle Reinheit (aṭ-ṭahāra) das zweite Kapitel dar. Die ʿibādāt beschreiben sämtliche „gottesdienstliche“ Handlungen, zu denen ein mu- kallaf 177grundsätzlich verpflichtet ist. Neben den großen klassischen fiqh-Werken der Rechtsschulen178 finden sich kleinere Abhandlungen, die in aller gebotenen 177 Zur Begrifflichkeit des taklīf: “A legal charge or obligation; to entrust or charge so- meone with a task. A person who meets the legal prerequisites becomes a mukallaf (a person obligated by law to discharge a legal duty). For instance, prayer is a taklif imposed upon those who reach the age of discernment (bulgh).” http://www.ox- fordislamicstudies.com/article/opr/t125/e2320?_hi=0&_pos=8 (Zugriff: 14.04.15). Taklīf ist eine Eigenschaft, die erfüllt sein muss, damit der Muslim bzw. die Muslimin mit Handlungen bzw. Unterlassungen beauftragt werden kann. Eine generelle De- finition dieses Begriffs besagt, dass taklīf immer in Zusammenhang mit den beiden Begriffen al-bulūġ sowie al-ʿaql bzw. dem Gegensatz hierzu al-ǧun...

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