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Robert Gilbert

Eine zeitgeschichtliche Biografie

Christian Walther

Erstmals wird in dieser Biografie das Leben Robert Gilberts an Hand des Nachlasses und einer Vielzahl weiterer Quellen nachgezeichnet. Sein Werk kennt fast jeder, seine Person fast niemand: Der außergewöhnliche Liedtexter und Lyriker hat mit so gegensätzlichen Komponisten wie Werner Richard Heymann («Das gibt’s nur einmal») und Hanns Eisler («Stempellied») gearbeitet. Im Wiener Exil schrieb er als «Tarner Brother», in Paris befreundete er sich mit Hannah Arendt, in New York kämpfte er ums Überleben. Er wandelte sich vom KPD-Sympathisanten zum Antikommunisten. 1949 kehrte er nach Europa zurück und arbeitete mit Erich Kästner für das Münchner Kabarett Die kleine Freiheit. Es folgte eine Karriere als Übersetzer amerikanischer Musicals wie My Fair Lady.

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III. Die Berliner Zeit

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45 III. Die Berliner Zeit Ein Freund, ein guter Freund: der Kommunist Heinrich Blücher Etwas früher, circa 1923 oder bald danach, lernt Gilbert einen Mann aus dem Umfeld des Kommunistenführers Heinrich Brandler kennen: Heinrich Blücher. Es wird eine Freundschaft fürs Leben, die auch Blüchers späte- re Frau einbezieht: Hannah Arendt.65 Blücher, wie Gilbert Jahrgang ’99, stammt wohl tatsächlich aus proletarischen Verhältnissen. Der Vater stirbt, noch vor Heinrichs Geburt, bei einem Fabrikunfall. Die Mutter bringt den Jungen alleine durch – als Wäscherin. Er besucht die Volksschule, schafft es auf ein Lehrerseminar, muss aber die Ausbildung wegen des Krieges 1917 unterbrechen. Nach Ende des Krieges – eine Gasvergiftung hält ihn längere Zeit im Lazarett – kehrt er nach Berlin zurück und verbringt die nächsten Monate als Revolutionär an der Seite von Spartakusbund und KPD. Im Sommer 1919 kehrt er in die Lehrerausbildung zurück, die er jedoch bald abbricht. Stattdessen sammelt sich Blücher seine Bildung zusammen, wo immer er sie finden kann. Er liest unermüdlich, besucht Vorträge an der Universität und der Akademie der Schönen Künste oder hört Vorlesungen an der Deutschen Hochschule für Politik, die – damals unter den Hoch- schulen einzigartig – auch Studierende ohne Abitur zuließ. Gilbert entdeckt Blücher bei einer Versammlung der Kommunisten, wo er als Redner aufgetreten war, und spricht ihn anschließend an – der Beginn einer Freundschaft, die bis zu Blüchers Tod 1970 hält....

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