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Robert Gilbert

Eine zeitgeschichtliche Biografie

Christian Walther

Erstmals wird in dieser Biografie das Leben Robert Gilberts an Hand des Nachlasses und einer Vielzahl weiterer Quellen nachgezeichnet. Sein Werk kennt fast jeder, seine Person fast niemand: Der außergewöhnliche Liedtexter und Lyriker hat mit so gegensätzlichen Komponisten wie Werner Richard Heymann («Das gibt’s nur einmal») und Hanns Eisler («Stempellied») gearbeitet. Im Wiener Exil schrieb er als «Tarner Brother», in Paris befreundete er sich mit Hannah Arendt, in New York kämpfte er ums Überleben. Er wandelte sich vom KPD-Sympathisanten zum Antikommunisten. 1949 kehrte er nach Europa zurück und arbeitete mit Erich Kästner für das Münchner Kabarett Die kleine Freiheit. Es folgte eine Karriere als Übersetzer amerikanischer Musicals wie My Fair Lady.

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VIII. Etabliert im Show-Business

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343 VIII. Etabliert im Show-Business 1961: Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen Robert Gilbert war nicht dabei, dabei hätte es doch auch sein Abend werden können. Gilbert aber kränkelte, und Flugangst hatte er auch. Zumindest war das Gilberts offizielle Erklärung für seine Abwesenheit. Einem Brief an seinen Wiener Freund Rudolf Weys sind noch ganz andere Überlegungen zu entnehmen: „Ich schwitze noch über die einzurichtenden Klavierauszüge von My Fair Lady, – eine rein technische Aufgabe, die mich mit Ekel und Pein erfüllt. Anfang Oktober will ich in Berlin sein – doch werde ich kaum fahren. Die Sache dort sieht so brenzlig aus, dass man eventuell einen ulbricht’schen Handstreich auf Westberlin für möglich hält. Warum soll ich mich freiwillig in Gefahr begeben, der ich – in ähnlicher Weise – früher mal gerade knapp entronnen bin?“766 Gisela Gilbert besteht gegenüber dem Autor auf der Version, dass Robert – jenseits seiner Flugangst – wirklich krank war an jenen Tagen. Politische Ängste oder Motive hätten keine Rolle gespielt bei der Absage, nach Berlin zu fliegen. Sie selbst habe übrigens an der Premiere teilgenommen.767 Es war „mehr als ein Erfolg“, schrieb Hellmut Kotschenreuter in der Münchner Abendzeitung, es „war ein Triumph“, der sich da am Abend des 25. Oktober 1961, zwei Monate und zwölf Tage nach dem Bau der Berliner Mauer, im West-Berliner Theater des Westens abspielte. BILD zählte im Foyer 61 Nerze und drei Nutriamäntel. Nicht nur...

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