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Der bekannte Fremde

Der Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

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Oliver Hepp

Seit ihrer Verschriftlichung im 18. Jahrhundert wird die Figur des Vampirs als fremdartig beschrieben. Ihre dauerhafte Ästhetisierung – von Goethes Die Braut von Corinth bis Bram Stokers Dracula – verhalf der Figur zu einer beispiellosen Karriere, die bei genauerer Betrachtung zwei Dinge offenlegt: So fremd, wie Geschichte und Kunst sie darstellen, ist die Vampirfigur nicht. Anhand theoretischer Ansätze von Giorgio Agamben, Hans Richard Brittnacher und Homi Bhabha arbeitet der Autor den Vampir als bekannten Fremden und somit als Teil des Eigenen heraus.

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12. „Hardly one authentic document“: Das Fazit und ein (kleiner) Ausblick auf den Vampir im Film

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293 12. „Hardly one authentic document“648: Das Fazit und ein (kleiner) Ausblick auf den Vampir im Film Stokers Roman ist also der letzte große Auftritt des Vampirs in poetischen Texten im 19. Jahrhundert. Im Zeitraum von 1797 bis 1897 verkörpert der literarische Vampir eine Ausprägung des Homo sacer. Er repräsentiert Ausnahmezustände: den Mörder, den sexuell Unersättlichen, den Homosexuellen, die sexuell aktive Frau oder den Tyrannen, den die Norm notwendigerweise setzt, um sich im glei- chen Zug selbst zu setzen, also nicht als Gegenbewegung, sondern als parallele Gründung, Norm und Ausnahme sind die zwei Kehrseiten einer Medaille. Die Exzeption bleibt dabei jedoch immer an die jeweilige Norm rückgebunden, der lebende Tote sieht aus wie ein Mensch, spricht wie ein Mensch und übernimmt die Angewohnheiten der Personen. Er ist dadurch eben nicht DER Fremde, son- dern er zeigt vielmehr in seiner diskursiven Inszenierung – analog zu Agam- bens „eingeschlossenem Ausgeschlossenem“ – Züge eines bekannten Fremden und unterminiert die auf der Ebene der histoire der interpretierten Werke prak- tizierten Abgrenzungsversuche. Denn diese Klassifizierungen sind Reflexe der Figuren, die jene seltsame Kreatur des lebenden Toten durch die beständigen Ab- und Ausgrenzungen distanzieren und sich damit ihrer Identität zu versi- chern suchen. Den erzählten Figuren, allesamt Vertreter der jeweiligen Norm geht es in allen hier interpretierten Texten darum, ein Sowohl als auch, ein Weder noch, mithin eine schwierig oder gar unmöglich zu definierende Zugehörigkeit in einen einfacher zu verarbeitenden, dichotomischen Status...

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