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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Verbergen als Geste der Entlarvung. Zu Ernst Weiß’ Roman Der Augenzeuge (1938) (Christiane Dätsch)

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Christiane Dätsch Verbergen als Geste der Entlarvung. Zu Ernst Weiß’ Roman Der Augenzeuge (1938) „So arbeitet sich der Mensch, der es nicht versteht, ins Moor immer tiefer hinein.“1 I. Der jüdische Arzt Ernst Weiß (1882–1940) gehört zu jenen Autoren der litera- rischen Moderne, deren Werk und Person sich einer einfachen Kategorisierung entziehen. 1882 als Österreicher in Brünn geboren, wurde er nach dem Ersten Weltkrieg tschechoslowakischer Staatsbürger, lebte in München, feierte Erfolge als Dramatiker im expressionistischen Prag und zog Anfang der 1920er Jahre nach Berlin, um dort als freier Romancier, Essayist und Literaturkritiker zu leben. 1933 floh er vor den Nationalsozialisten nach Prag und anschließend nach Paris, wo er nach dem Einmarsch der deutschen Truppen Suizid verübte und in der Nacht auf den 15. Juni 1940 starb. Ein Koffer mit seinem literarischen Nachlass, in dem sich möglicherweise auch eine zweite Fassung seines Romans Der Augenzeuge (1938) befand, ging nach seinem Freitod verloren. Die erste Fassung hatte der Autor im Sommer 1938 für einen Wettbewerb der Hilfsorganisation American Guild for German Cultural Freedom in New York in nur fünf Monaten verfasst, in der Hoffnung, mit dem Preisgeld sein Leben bestreiten zu können.2 Nach seinem Selbstmord verschwand zunächst auch diese erste Fassung, bis sie in den 1950er Jahren wieder auftauchte und 1963 erstmals veröffentlicht wurde. Seitdem folgten mehrere Neuauflagen des Romans, unter anderem als 14. Band der Gesamtausgabe der Weiß’schen Prosa.3 1 Weiß, Ernst: Der...

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