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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Sehen, das sich blind stellt Max Frischs Mein Name sei Gantenbein und die Schweizer Neutralität (Ursula Regener)

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Ursula Regener Sehen, das sich blind stellt Max Frischs Mein Name sei Gantenbein und die Schweizer Neutralität1 Von den Aporien der Schweizer Neutralität zur Poetik der Permutation Frischs Poetologie, die Begründung seiner dramatischen und erzählerischen Praxis der „Permutation“,2 des Mitbedenkens möglicher Alternativen, ist als sol- che bekannt und relativ schnell umrissen. Bereits in seinem Tagebuch 1946–1949 notiert er Zur Schriftstellerei: Was wichtig ist: das Weiße zwischen den Worten, und immer reden diese Worte von den Nebensachen, die wir eigentlich nicht meinen. Unser Anliegen, das eigentliche, läßt sich bestenfalls umschreiben, und das heißt ganz wörtlich: man schreibt darum herum. Man umstellt es. (GW II, S. 378) Oder: [J]edes Erlebnis bleibt im Grunde unsäglich, solange wir hoffen, es ausdrücken zu kön- nen mit dem wirklichen Beispiel, das uns betroffen hat. Ausdrücken kann mich nur das Beispiel, das mir so ferne ist wie dem Zuhörer: nämlich das erfundene. (GW II, S. 703) 1 Der Beitrag greift im Sinne einer Revision, Pointierung und Weiterentwicklung auf zwei Publikationen der Verf. zurück: Regener, Ursula: Ich im Irrealis. Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ im Kontext der Literatur der 60er Jahre. In: Große Werke der Literatur. Bd. VII. Hrsg. von Vilmar Geppert. Tübingen / Basel: Narr 2001, S. 205–218. – Dies.: Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein, Montauk. In: Rösch, Gertrud Maria (Hrsg.): Fakten und Fiktionen. Werklexikon der deutschsprachigen Schlüsselliteratur. Erster Halbband: Andres bis...

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