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Energetisches Regionalisieren

Transformationspraktiken der Energiewende am Beispiel der Biogaserzeugung

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Fabian Faller

Die Energiewende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Die räumlichen Aspekte dieser sozio-technischen Transformation sind Gegenstand der vorliegenden Studie, die sich auf die Bioenergieerzeugung im deutsch-luxemburgischen Grenzraum konzentriert. Inspiriert von der Praktikenforschung rücken routinierte und improvisierte soziale Handlungen der Betreiber von Biogasanlagen in den Mittelpunkt. Die Untersuchungsergebnisse decken die Routinen der Biogaserzeuger auf und zeigen, wie durch energetisches Regionalisieren die räumlichen Kontexte der Energiewende hervorgebracht und verändert werden. Damit rückt der Autor erstmals Praktiken der Energieerzeugung in den Forschungsfokus und legt zugleich einen innovativen Ansatz für deren Erforschung vor.

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6 Evolution des Biogassektors

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Wie entwickelte sich der Biogassektor im Untersuchungsgebiet? Welche intrin- sischen Anreizstrukturen und welche symbolischen oder normativen Veran- kerungen einzelner Elemente der Praxisfelder stabilisierten und routinisierten einzelne Praktiken im Laufe der Zeit? Die parachrone Betrachtung von Konfi- guration und Rekonfiguration ermöglicht es, die Transformationspraktiken und deren Veränderung im Laufe der Zeit zu erschließen. Die Konfiguration bildet die Weltbindungen der Betreiber ab, die vor der eigentlichen baulichen Umsetzung abläuft. Die Rekonfiguration reflektiert neu aufgebaute Wissensbestände und deren Rückbindung in der Biogasanlage. In diesem Kapitel stehen die Motive für die Errichtung der Anlage im Mittelpunkt, wie der Einstieg in die Biogasbranche gerechtfertigt und dabei das Umfeld aus gesellschaftlichem Kontext und physisch-materiellen Komponenten vor dem Hintergrund individueller Wissensbestände bewertet wird. Die Betrachtung der Rekonfiguration ermöglicht es, vertiefende Erkenntnisse über den Wandel der Praxisphänomene zu gewinnen. Abbildung 6.1 veranschaulicht, in welchen Jahren die befragten Betreiber ihre Anlage konfigurierten. Sie zeigt, dass eine parachrone Betrachtung des Praxis- feldes hilfreich ist, um den Wandel des Umfeldes zu verstehen. Denn über einen Zeitraum von 15 Jahren sind im Untersuchungsgebiet kontinuierlich neue An- lagen errichtet worden. Im untersuchten Sample gab es lediglich in zwei Jahren keine neue Anlagenerrichtung und in über 50 Prozent der Jahre gingen zwei oder mehr Anlagen ans Netz. Auffällig ist, dass acht der elf erforschten luxem- burgischen Anlagen bis 2003 errichtet wurden. Zudem gab es 1999, 2001 sowie 2005 Hochphasen der Inbetriebnahme. Die Anlagen von 1998 waren auch über das untersuchte Sample hinaus die...

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