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Kohärenz und indirekte Anaphorik

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Zsófia Haase

Ausgehend von einer Sprecherbefragung mit deutschem Sprachmaterial untersucht die Autorin die Verwendung von indirekten pronominalen Anaphern im Deutschen. Die Ergebnisse der empirischen Arbeit bestätigen die zentrale Hypothese der Abhandlung: Den Muttersprachlern erscheint die Verwendung von indirekten pronominalen Anaphern im Deutschen als akzeptabel, wenn der implizite Referent nuklearer Bestandteil der gegebenen Diskursrepräsentation ist. Die Autorin kann somit auf der Grundlage von Grammatikalitätsurteilen zeigen, dass indirekte pronominale Anaphern akzeptierte Kohärenzmittel sind.

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1. Wissenschaftshistorische Präliminarien – Der Einfluss der kognitiven Wende auf die Textlinguistik

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Im Einklang mit dem theoretischen Rahmen der Arbeit wird in diesem Ab- schnitt das Kognitive Paradigma, d.h. die Kognitive Wende einerseits in den Wissenschaften im Allgemeinen, andererseits in der Linguistik bzw. Textlingu- istik thematisiert. 1.1 Die Kognitive Wende in den Wissenschaften3 Anfang der 60er Jahre vollzog sich in der Psychologie ein Perspektivenwechsel, dessen Folge war, dass der behavioristische Forschungsansatz abgelöst wurde. Die neue Herangehensweise erhielt den Namen Kognitive Psychologie (Neisser 1967) und lässt sich als einer „[…] sich mit allen Prozessen der Aufnahme, Speicherung und Anwendung von Informationen […]“4 beschäftigender Ansatz beschreiben. Unter Kognition versteht man alle Strukturen und Prozesse menschlichen Wis- sens.5 Das System mentaler Strukturen und Prozesse wird in den kognitivisti- schen Ansätzen in Form von Modellen dargestellt und beschrieben (siehe später Textweltmodell), die die Komplexität mentaler Aktivitäten widerspiegeln. Laut kognitivistischer Erklärungsmodelle sind kognitive Prozesse zielgerichtete Ak- tivitäten, die man nicht aufgrund assoziativer Mechanismen beschreiben kann. Der kognitivistische Ansatz besagt weiterhin, dass der Mensch mit gewissen ko- gnitiven Dispositionen von Geburt an ausgestattet ist (siehe auch Chomsky). Die generative Linguistik wurde von ihrem Schöpfer somit als Teilgebiet der kogni- tiven Psychologie aufgefasst, wodurch die von ihr in den Vordergrund gesetzte mentalistische Sprachtheorie als Vorläufer kognitivistischer Ansätze in der Lin- guistik aufgefasst werden kann.6 Mitte der 70er Jahre kam es zur Entwicklung einer neuen Wissenschaft, der sog. Kognitiven Wissenschaft, die durch die Annäherung von Künstlicher Intelli- genz-Forschung und Psychologie angeregt wurde, und welche als interdisziplinäre...

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