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Kohärenz und indirekte Anaphorik

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Zsófia Haase

Ausgehend von einer Sprecherbefragung mit deutschem Sprachmaterial untersucht die Autorin die Verwendung von indirekten pronominalen Anaphern im Deutschen. Die Ergebnisse der empirischen Arbeit bestätigen die zentrale Hypothese der Abhandlung: Den Muttersprachlern erscheint die Verwendung von indirekten pronominalen Anaphern im Deutschen als akzeptabel, wenn der implizite Referent nuklearer Bestandteil der gegebenen Diskursrepräsentation ist. Die Autorin kann somit auf der Grundlage von Grammatikalitätsurteilen zeigen, dass indirekte pronominale Anaphern akzeptierte Kohärenzmittel sind.

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3. Indirekte Anaphern in Texten

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3.1 Anaphern in der (Text)Linguistik 3.1.1 Die traditionelle141 Auffassung142 Die gängige textlinguistische Definition erfasst Anapher als definiten Ausdruck, der einen bereits erwähnten Referenten wieder aufnimmt.143 Ohne die detaillier- te Darstellung der wechselvollen Begriffsgeschichte der Anapher vorzunehmen, kann behauptet werden, dass diese Definition auf dem wichtigsten Charakterzug von Anaphern, nämlich auf ihrer funktionalen Fundierung aufbaut. Bereits die Etymologie des Wortes Anapher enthält eine funktionale Bestimmung: griech. anapherein bedeutet ‚zurückbringen, zurückbeziehen, herausholen, hervorho- len‘. Das lateinische Verb referre ‚zurücktragen, erwidern, zurückwenden, wie- derholen, überbringen‘ hat zum Teil dieselbe Bedeutung wie das Ursprungsverb. Daraus entstand der Terminus ‚Referenz‘. In der Antike war es die stoische Kate- gorie des Arthrons (‚Gelenkwort‘), die über das funktionale Merkmal des Rück- bezugs verfügte. Wortarten, die den Gehalt eines Vorgängerausdrucks „wieder hervorholten“ gehörten dieser Kategorie an. Solche Wortarten waren z.B. Artikel und Pronomen. Das deiktische Moment wurde allerdings schon bei den Stoikern auf alle entsprechenden Ausdrücke übertragen. Es war Bühler (1934), der die Deixis als eigenständige Kategorie funktional ausdifferenzierte und hinsichtlich des textuellen Vor- und Rückbezugs von anaphorischer Verwendung deiktischer Ausdrücke spricht. Es lässt sich feststellen, dass die Anapher als Formklasse zum einen durch die schrittweise Ausgrenzung der phorischen Funktion des stoi- schen Arthrons, zum anderen durch die Abgrenzung von Pronomina und Ar- tikeln entstand. Anaphern dienen somit in erster Linie der Themafortführung, d.h. der Fortführung von im Text bereits erwähnten Objekten und Sachverhal- ten. Die...

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