Show Less

Islamisches Recht in Theorie und Praxis

Neue Ansätze zu aktuellen und klassischen islamischen Rechtsdebatten

Series:

Edited By Mouez Khalfaoui and Bülent Ucar

Spielt das islamische Recht noch eine Rolle im Leben und Denken gegenwärtiger Muslime? Was kann man von der Scharia noch umsetzen? Wie steht die Scharia mit säkularem Recht im Verhältnis? Sind die Maqasid noch anwendbar? Diese Fragen werden von Laien-Muslimen sowie Experten häufig gestellt. Die Beiträge dieses Bandes bieten einen Einblick in die innerislamische Debatte über das islamische Recht und seine Rolle im Leben gegenwärtiger Muslime. Dabei sind mindestens zwei Hauptansätze von besonderer Bedeutung: im ersten Teil werden die Fragen der Entstehung, Definition und Entwicklung des islamischen Rechts debattiert. Der zweite Teil ist dem Thema Maqasid gewidmet. Hierbei werden bedeutende Abschnitte aus arabischen Quellen ins Deutsche übersetzt. Somit wird in diesem Buch eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sowie zwischen Theorie und Praxis geschlagen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

„Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht damit Gott“ – Normativität der prophetischen Tradition und Gnadenerfüllung im sunnitischen Denken der spätformativen Periode (Ruggero Vimercati Sanseverino)

Extract

Ruggero Vimercati Sanseverino „Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht damit Gott“ – Normativität der prophetischen Tradition und Gnadenerfüllung im sunnitischen Denken der spätformativen Periode Einleitung Die Hartnäckigkeit, mit der gerade im zeitgenössischen muslimischen Schrifttum über Mohammed dessen Allzuständigkeit betont wird, macht dem nüchternen Beobachter klar, wie schwierig die Voraussetzungen sind, unter denen man in Europa zu einer Verständigung mit den Muslimen gelangen muss.1 Der Göttinger Islamwissenschaftler Tilman Nagel, von dem dieser Satz stammt, ist bekanntlich ein Verfechter der These, dass der „Mohammed- glaube“ das hauptsächliche Hindernis für eine erfolgreiche Integration der Muslime in die säkularen Gesellschaften des Westens darstelle: „Noch ist das von Kindheit an vermittelte Mohammedbild die Mauer, von der alle kritische Selbstreflexion zurückprallt“.2 Eine wissenschaftlich betriebene Historisierung der Gestalt des Propheten, und damit eine Relativierung sei- ner normativen Autorität, sei daher die Vorbedingung für eine Integration der Muslime in solchen Gesellschaften. Wird davon abgesehen, dass hier die Bedeutung von sozialen, kulturellen und politischen Faktoren für die Integrationsproblematik völlig unbeach- tet bleiben, so bringt diese Aussage doch eine zentrale Fragestellung des zeitgenössischen Islams auf den Punkt: Welche normative Bedeutung kann und soll dem Propheten Muhammad heute noch zukommen? Eine Histo- risierung der Prophetengestalt und die damit einhergehende Relativierung seiner normativen Geltung bilden tatsächlich ein Grundmotiv, das sich im 1 Tilman Nagel, „Mohammed und die Unfehlbarkeit des Propheten“, in: Georgia Augusta (3/2004), S. 102–107. 2 Ebd, S. 106. Ruggero Vimercati...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.