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Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

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Edited By Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.

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4.1 Kriteriengeleitete Analyse des in den Gutachten dokumentierten methodischen Vorgehens Die inhaltsanalytische Auswertung bezieht sich auf folgende Prüfkriterien: (1) Herleitung psychologischer Fragen, (2) Begründung der Auswahl der Datenerhebungsverfahren, (3) Psychometrische Qualität der Datenerhebungsverfahren, (4) Berücksichtigung methodischer Einschränkungen bei der Interpretation der Untersuchungsergebnisse. Im Folgenden werden die Ergebnisse zu diesen Kriterien dargestellt. 4.1.1 Herleitung psychologischer Fragen Zur Beurteilung der Erfüllung dieses Kriteriums wurden aus den Empfehlun- gen der Arbeitsgruppe „Qualitätsstandards für psychodiagnostische Gutachten“ (DGPs, 2011, S. 9) drei Fragen in das Kategoriensystem aufgenommen: Werden aus der gerichtlichen Fragestellung fachpsychologische Arbeitshypothesen (psycho- logische Fragen) hergeleitet? Wenn ja: Erscheint die Herleitung der psychologischen Fragen hinreichend wissenschaft- lich fundiert? Wenn ja: Werden aus den psychologischen Fragen Kriterien für die Beantwortung der ge- richtlichen Fragen abgeleitet bzw. begründet? Die Beurteiler beantworteten diese Fragen für jedes Gutachten anhand der Alternativen „ja“ oder „nein“. Zudem bestand die Möglichkeit, zusätzliche Er- läuterungen abzugeben, falls diese Alternativen zur Beurteilung ungeeignet erschienen. Herleitung psychologischer Fragen: Die Auswertungen ergaben, dass in 65 (56,0 %) der Gutachten keine psychologischen Fragen aus der gerichtlichen Fra- gestellung hergeleitet wurden. In diesen Fällen begann das Gutachten typischer- weise mit der Nennung der gerichtlichen Fragestellung und einer Darstellung der Vorgeschichte – die in der Regel, aber auch nicht immer, mit Verweis auf die Akten resümiert wurde. Anschließend wurde ohne Nennung konkreter psycho- logischer Fragen direkt der Untersuchungsverlauf und/oder die Durchführung einzelner diagnostischer Verfahren bzw. deren Ergebnisse beschrieben. In...

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