Show Less

Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

Series:

Edited By Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Praxiskommentare

Extract

Ein Ziel der Reihe „Beiträge zur Angewandten Psychologie“ ist es, den Wissen- schafts-Praxis-Transfer im deutschsprachigen Raum durch die Publikation von Grundlagenforschung mit Kommentierungen aus der Berufspraxis zu fördern. Im Folgenden wird die in diesem Band vorgestellte Studie von Vertreterinnen und Vertretern aus jeweils einem von vier Bereichen kommentiert: (a) der Sachver- ständigenschaft, (b) der Richterschaft, (c) der Anwaltschaft und (d) der Forensik. 6.1 Praxiskommentar aus sachverständiger Sicht von Dr. Anne Huber und Jörg Paschke Dr. Dipl.-Psych. Anne Huber und Dipl.-Psych. Jörg Paschke sind seit mehr als 10 Jahren psychologische Sachverständige mit eigener Praxis in Berlin. „Im deutschen Fernsehen gibt es nur noch kaputte Familien. Außer den Simp- sons gibt es keine normale Familie mehr im TV.“ (Edmund Stoiber - Spiegel Online, 6. Juni 2006). Die Vorstellung, familienrechtspsychologisches Sachverständigen- handeln auch auf ein Familiensystem wie die Simpsons anzuwenden, verspricht sehr humorige Gedankengänge und wäre sicherlich für jede Untersucherin eine echte Herausforderung, gerade auch vor dem Hintergrund der seit 2014 anhal- tenden (erneuten) Qualitätsdiskussion psychologisch-wissenschaftlich fundierter Entscheidungshilfen für deutsche Familiengerichte. Dass jedes zu diagnostizieren- de Familiengefüge (außer den normativen Simpsons) Eigenarten, Entwicklungsal- ter, Persönlichkeitsaspekte sowie Erlebens- und Verhaltensspezifika usw. aufweist, liegt in der Natur der kleinsten sozialen Einheit von zwei Menschen aufwärts. Die (ethische) Metafrage vor allen (juristischen) Mikrofragen lautet daher: Kann eine Sachverständige sozialwissenschaftlicher Prägung anhand von Anknüpfungstat- sachen, Anamnese, Interaktionsbeobachtung, psychometrischer Testdiagnostik sowie fremdanamnestischer Daten seriös, empirisch gesichert...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.