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Wikipedia: Palimpseste der Gegenwart

Text- und Wissensverfahren im kollaborativen Hypertext

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Nathalie Mederake

Der technische und lexikografische Aufbau von Wikipedia, der zentralen Online-Enzyklopädie unserer Zeit, ermöglicht einen komplexen Interaktionsraum. Doch welche Prozesse und Routinen kommen dort zum Einsatz? Die Autorin analysiert und beschreibt medienlinguistische sowie lexikografische und wissenssystematische Erscheinungen. Die Form digitaler Überschreibung präsentiert sich dabei als neues Phänomen der Wissensbearbeitung und -kommunikation. Systematische Beobachtungen und deren Überprüfung an ausgewählten Artikeln schaffen zudem erstmals die Möglichkeit eines umfassenden Instrumentariums für die Textlinguistik. Die Studie liefert überdies wichtige theoretische und methodische Anregungen für weitere Forschungen zu digitalmedialen Kommunikationsgegenständen.

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1. Textdynamiken in soziotechnischen Wissensüberschreibungen

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17 1. Textdynamiken in soziotechnischen Wissensüberschreibungen 1.1 Soziotechnisch geprägte Wissenssammlungen Als gesellschaftliche Konstitutions- und Organisationsform von Wissen2 nehmen seit dem Buchdruck gedruckte Texte3 eine zentrale Stellung ein (vgl. Antos 1997: 61). Sie können regelrecht verstanden werden als technische Teilkomponente einer soziotechnisch geprägten Wissenssammlung4 (s. a. Niederer/van Dijk 2010), in der Texte in Verbindung mit Textproduzenten und -nutzern eine Einheit bilden. In Anbetracht neuerer und leistungsfähigerer Formen von Wissenssammlungen ist zwar zu beobachten, dass Texte, vor allem gedruckte, die lange Zeit in all- täglicher Regelmäßigkeit konsultiert worden sind, wie z. B. mehrbändige Nach- schlagewerke oder auch die Tageszeitung, aufgrund der rasenden Entwicklung möglicher Informationsangebote des WWW nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Doch auch für neuere, webbasierte Strukturformen spielen Textformen, als tech- nische Teilkomponente einer soziotechnisch geprägten Sammlung, wenn auch nicht mehr unbedingt in Druckform, eine bedeutende Rolle. Es darf geradezu unterstellt werden, dass mehr denn je ein starker Zusammenhang zwischen ope- rativer Kommunikation und der Sozialität ihrer Träger sowie eine Verbindung zwischen Wissenssammlungen und deren medialer Disposition besteht, für des- sen Beobachtung mögliche Textformen zwingend einbezogen werden sollten. Innerhalb einer soziotechnisch geprägten Wissenssammlung scheint zudem eine Art Entgrenzung wichtig zu werden: Aufgehoben oder von Auflösung betroffen zeigen sich dabei insbesondere die Grenzen von Experten- zu Nutzerkultur und damit zusammenhängend die von Stabilität zu Vorläufigkeit. 2 Bei der Begriffsverwendung ‚Wissen‘ ist zunächst allgemeinsprachlich von der „Ge- samtheit der Kenntnisse, die jemand [auf...

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