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Europa im Islam – Islam in Europa

Islamische Konzepte zur Vereinbarkeit von religiöser und bürgerlicher Zugehörigkeit

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Vivien Neugebauer

Wie ist es möglich, Bürger Europas und gleichzeitig Muslim zu sein? Die Autorin vergleicht aus differenzhermeneutischer Perspektive die Antworten von drei zeitgenössischen muslimischen Denkern. Sie zeigen, dass Europa und Islam durchaus zusammen gedacht werden können. Durch den Vergleich wird aber auch ein innerislamisches Spannungsfeld deutlich. Dieses bildet nicht nur die Vielfalt islamischer Wege ab, sondern stellt auch die kategoriale Unterscheidung von «islamisch» und «nichtislamisch» in Frage. Unter Betrachtung von Fragen der Partizipation, der Religionsfreiheit und des Miteinanders in einer wertepluralen Gesellschaft sind diese muslimischen Ansätze wertvolle Stimmen im Diskurs, wenn es nicht mehr nur darum geht, ob der Islam in Europa beheimatet werden kann – sondern «wie».

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6. Navid Kermani: Konzept der De-Essentialisierung

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287 6. Navid Kermani: Konzept der De-Essentialisierung „Die Wege zu Gott sind so zahlreich wie die Atemzüge des Menschen“ Kermani, Wer ist wir, 105 453 Dramaturgie. Kermani ist auf den ersten Blick kein Kandidat für ein Konzept der Zugehörigkeiten, wie sie die zwei vorherigen darstellen. Wenngleich er kein Konzept vorschlägt – da er auch nicht für den Islam sprechen will454 – begleiten die Themen religiöse Identität, die Zugehörigkeit zu Europa und Deutschland sowie die Integration des Islams seine Beiträge, sodass sie eine Art Subtext seiner vielen Publikationen bilden. Das Ziel für das auf der Grundlage seiner Beiträge generierte Konzept ist es aufzuzeigen, welche Antworten sich in seinem Werk dennoch oder vielleicht gerade deshalb auf die primäre Forschungsfrage – wie islamische und bürgerliche Zugehörigkeit in Europa vereinbar sind – finden lassen. Dieser Tatsache ist auch geschuldet, dass sich die Dramaturgie des ge- nerierten Konzepts grundlegend von den anderen unterscheidet, indem es am stärksten inhaltsanalytisch rekonstruiert ist. 6.1 Ausgangssituation In einem Interview mit Riem Spielhaus (2011) äußert Kermani sich zu sei- nem Entschluss, sich öffentlich als Muslim zu positionieren und so als Teil des muslimischen Kollektivs aufzutreten (Spielhaus 2011, 139). Es sei für ihn eine politische Entscheidung gewesen, die durch die Konfrontation mit Fremdbe- stimmungen und -zuschreibungen ausgelöst wurde und dazu führte, selbst bestimmen zu wollen, „was es heißt, Muslim zu sein“ (ebd.). Er sehe sich auch verantwortlich, da sich nicht viele Muslime öffentlich für...

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