Show Less

Risikogeschäfte und strafbare Untreue

Entscheidungstheorie und Verhaltensökonomie im Strafrecht

Series:

Martin Stenzel

Der Autor beschäftigt sich mit der Problematik der strafrechtlichen Beurteilung von Unternehmensentscheidungen im Rahmen des § 266 StGB. Er untersucht, ob unternehmerische Entscheidungen justiziabel sind und welche Einschränkungen gemacht werden müssen. Dazu stellt der Autor die Erkenntnisse der Entscheidungslehre und «Behavioral Economics» dar und analysiert sie umfassend. Er arbeitet heraus, inwieweit diese Erkenntnisse in das Strafrecht übertragen werden können, und zeigt deren Bedeutung für den Prozess der gerichtlichen Überprüfung einer unternehmerischen Entscheidung auf. Einen Schwerpunkt bildet die Frage, ob intuitive Entscheidungen tatsächlich schlechter als rationale Entscheidungen und daher zwangsläufig pflichtwidrig sind. Hierzu führte der Autor eine Umfrage unter Entscheidungsträgern durch.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

F. Ökonomische Analyse des Rechts

Extract

Die Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie die knappen Güter eingesetzt werden müssen, damit eine optimale Bedürfnisbefriedigung erreicht wird. Die Effizienz einer Wirtschaft richtet sich nach dieser Frage. Effizienz ist dann gege- ben, wenn möglichst wenig Mittel „verschwendet“ werden601. Die ökonomische Ana- lyse des Rechts überträgt diese Fragestellung auf das Rechtssystem602. Während diese Fachrichtung in Deutschland603 noch kaum Beachtung findet, beschäftigt sich die US- amerikanische Rechtswissenschaft schon seit den 1970 Jahren mit diesem Ansatz604. I. Definition Nach der ökonomischen Analyse des Rechts hat sich das Recht an den Bedürfnissen des Marktes zu orientieren. Das Recht soll die Wirtschaft und den Markt fördern und diese nicht behindern. Nur so ist eine möglichst hohe Bedürfnisbefriedigung und da- mit gesellschaftlicher Wohlstand möglich605. Optimierungsmaßstab soll die Effizienz sein. Diese Auffassung steht somit im direkten Gegensatz zu den bisherigen rechtsphi- losophischen Ansätzen, denen das Gerechtigkeitstheorem zugrunde liegt606. Sichtbar wird dies beispielsweise an dem Problem des Schadensrechts. Heinrichs schlägt vor, bei Sachschäden eine Kosten-Nutzen-Analyse heranzuziehen, um Sorgfaltsmaßstäbe bei der Fahrlässigkeitshaftung zu bestimmen. Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse stellt Heinrichs dar, dass Sorgfaltsmaßnahmen zur Vermeidung von Fahrlässigkeit nur erforderlich seien, wenn der notwendige Aufwand geringer sei als der durch ihre Nichtanwendung entstehende Schaden607. Eingewendet wird hiergegen, dass dies nicht mit dem Gerechtigkeitsdenken in Einklang zu bringen sei und Schädiger bevorteilt würden608. 601 Vgl. hierzu zusammenfassend: Wittig, Der rationale Verbrecher, S. 47 ff....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.