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Reflexivität im tschechisch-deutschen Sprachvergleich

Möglichkeiten und Grenzen einer Prognose

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Roland Wagner

Das Buch stellt einen Versuch dar, die Reflexivität von deutschen Verben ausgehend von den Übersetzungsäquivalenten im Tschechischen zu prognostizieren. Aufgrund der Äquivalenzbeziehung zwischen nicht-reflexiven Verben im Tschechischen und Deutschen und verschiedenen grammatischen Parametern erstellt der Autor Prognosen zur Reflexivität der deutschen Äquivalente zu den reflexiven tschechischen Verben. Dies geschieht ohne Rückgriff auf lexikographische Information. Dabei kristallisieren sich sowohl sprachübergreifend übereinstimmende sowie problematische Bereiche der Reflexivität heraus. Gewissermaßen nebenbei prüft der Autor verschiedene linguistische Theorien auf ihre prognostische Kraft hinsichtlich der Reflexivität.

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1. Einstieg in die Problematik: Reflexivität und deren Prognose

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In der sprachlichen Produktion von DaF- Lernerinnen und Lernern1 mit Tsche- chisch als Erstsprache finden sich häufig sprachliche Strukturen wie die folgenden:2 (1) Wenn ich höhere Miete bezahlen müsste, wäre es ein Grund, mich wegzuziehen. [Herbstsemester 2004] (2) Dieses Heft führen sich die Studenten seit der ersten Seminarstunde. [Frühjahrs- semester 2005] (3) […] die zweite Gruppe sind die Anglizismen, die sich sehr selten erscheinen. [Herbstsemester 2008] (4) Davon fingen die Küchenschränke Feuer und sie stürzten sich ein. [Frühjahrsse- mester 2009] (5) Leider kann ich mich an diesen Vorstellungen nicht teilnehmen. [Herbstsemester 2010] Offenbar ist es in den Beispielen zu Interferenzen mit der tschechischen Aus- gangssprache der Lerner gekommen. Die tsch. Übersetzungsäquivalente von (1)–(5) sind nämlich reflexiv (odstěhovat se, vést si, objevit se, zhroutit se, zúčastnit se), und es liegt daher der Verdacht nahe, dass die Sprecher bzw. Schreiber der Beispiele die Reflexivität der Strukturen in ihrer Ausgangssprache auch in der Zielsprache reproduziert haben. Die Beispiele illustrieren die bekannte Tatsache, dass sich die Reflexivität in zwei verschiedenen Sprachen nicht unbedingt zu decken braucht. Tschechische Lehrbücher für Deutsch als Fremdsprache (z. B. Dusilová/Kolocová et al. 2001, 72 f.) fassen diese Einsicht gewöhnlich in der Aussage zusammen, dass es sowohl im Tschechischen als auch im Deutschen „reflexive Verben“ („zvratná slovesa“) gibt, wobei nicht garantiert ist, dass sich Übersetzungsäquivalente hinsichtlich 1 Um die Lesbarkeit des stellenweise sowieso schon sehr dichten Textes...

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