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Anlageberatung im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Überregulierung

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Gero Lingen

Die Anlageberatung besitzt in Deutschland eine enorme Bedeutung, weil zahlreiche Verbraucher keine eigenen Finanzkenntnisse besitzen. Sie sind daher im Vorfeld ihrer Anlageentscheidungen auf eine externe Beratung angewiesen. Der Gesetzgeber steht angesichts des hohen Beratungsbedarfs vor der großen Herausforderung, adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen, um ein angemessenes Verbraucherschutzniveau sicherstellen zu können, ohne zugleich die Anbieterseite mit überflüssigen Regeln zu behindern. Vor diesem Hintergrund analysiert und bewertet der Autor ausführlich das aktuell bestehende Spannungsverhältnis zwischen notwendigem Verbraucherschutz einerseits und der Gefahr einer Überregulierung andererseits.

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§ 8 Bewertung von Existenz und Intensität desSpannungsverhältnisses

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229 § 8 Bewertung von Existenz und Intensität des Spannungsverhältnisses I. Bewertung des aktuellen Regulierungsniveaus in der Anlageberatung Im Folgenden soll unter Zugrundelegung des Begriffsversuchs der „Überregu- lierung“ sowie der Grenzziehung zur (bloßen) „Regulierung“ aus § 1 III. der Arbeit das aktuelle Regulierungsniveau in der Anlageberatung bewertet werden. Aus Sicht der Anlageberatungsinstitute waren bereits die Umsetzungen der bisherigen Regulierungsmaßnahmen mit sehr hohen Kosten verbunden, die zu- dem aktuell und in naher Zukunft aufgrund der notwendigen Anpassungen im Zuge der MiFID II nochmals deutlich ansteigen werden. Die Kosten entstehen dabei auch, aber nicht primär, durch den erforderlichen Einsatz von IT- und Organisationssystemen, sondern vor allem aufgrund des enormen zeitlichen Mehraufwandes bei der Beratung pro Kunde. Letzterer geht maßgeblich auf die Pflicht zur Erstellung eines Anlageberatungsprotokolls zurück, während andere im Zuge der Regulierung eingeführten Pflichten, wie die Zurverfügungstellung eines Produktinformationsblattes, kaum ins Gewicht fallen. Sowohl der gestie- gene Kosten- und Verwaltungsaufwand als auch die zeitliche Mehrbelastung können für sich genommen als logische Folgen der tiefgreifenden und zeitlich eng aufeinanderfolgenden Regulierungsmaßnahmen angesehen werden. Die Tatsache, dass sich einige Institute nunmehr komplett aus der (provisions- finanzierten) Anlageberatung zurückziehen und eine Vielzahl von ihnen Anlage- beratungen nur noch sehr eingeschränkt und für einzelnen Kunden anbieten,672 stellt allerdings ein Merkmal für eine bereits bestehende Überregulierung dar. Vor allem die erkennbaren flächendeckenden Einschränkungen in der Anlage- beratung gehen nämlich über das typische und zu erwartende Maß von Regu-...

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