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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.

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I. Einleitung

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19 I. Einleitung Der griechische Begriff πόλεμος bezeichnet den Krieg mit einem auswärtigen Feind. Davon unterscheidet die griechische Staatsphilosophie den Terminus στάσις, der den Bürgerkrieg bzw. den Aufruhr im Innern einer Polis wiedergibt.1 Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Begründung des πόλεμος, also des zwischenstaat- lichen Krieges, und seine Rechtfertigung in den überlieferten Schriften attischer Redner bzw. Rhetoren2 des 4. Jh.3 Der Peloponnesische Krieg des 5. Jh. (431–404), die Leiden, die er verursach- te, und seine einschneidenden Folgen führten einen großen Teil der griechischen Welt in eine äußerst kritische Situation; trotzdem rückte nach seinem Ende in den hellenischen Poleis nicht der Friedensgedanke in den Vordergrund, sondern Debat- ten über diverse Kriegsmöglichkeiten bestimmten das Meinungsbild. Daraus ergab sich, dass die ständigen Kriege zwischen hellenischen Poleis das Bild des gesamten 4. Jh. prägten und zum Untergang der klassischen Polis-Welt führten. Nicht zu unterschätzen ist dabei das Auftreten einer unkalkulierbaren Macht aus dem grie- chischen Norden in den 350er Jahren, nämlich Makedoniens unter seinem König Philipp II., der schließlich im Jahr 338 die vereinigten Kontingente hellenischer Poleis endgültig besiegte. Der Untersuchungszeitraum der vorliegenden Arbeit wird somit auf das 4. Jh. bis zur Schlacht bei Chaironeia im Jahr 338 begrenzt. Gegen die vornehmlich in der älteren Forschung vertretene These, dass nicht der Friede (εἰρήνη), sondern der permanente Kriegszustand das zwischenstaatliche Verhältnis der griechischen Poleis kennzeichnet,4 wird nunmehr der Krieg in Hellas 1 Vgl. Noethlichs, RAC 22 (2007) s. v....

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