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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.

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IV. Isokrates

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97 IV. Isokrates 1. Isokrates und seine zu untersuchenden Reden Der Redner Isokrates aus dem attischen Demos Erchia wurde als Sohn des wohlha- benden Flötenherstellers Theodoros im Jahr 436 in Athen geboren und ist im Alter von 98 Jahren kurz nach der Schlacht bei Chaironeia im Jahr 338 gestorben.1 Sein Leben erstreckte sich also über den Zeitraum, in dem das perikleische Athen auf der Höhe seiner Macht war, bis zum Anfang des Verfalls der griechischen Poleis nach dem Sieg des Makedonenkönigs Philipp II. über die Koalition von Athen, Theben und anderen hellenischen Poleis. Die Periode des eigentlichen Wirkens des Isok- rates fällt in die Zeit nach 400, sodass man ihn nicht nur als einen Mann des 4. Jh., sondern auch als „signifikanten Vertreter dieses Zeitabschnittes“2 bezeichnen kann.3 Isokrates erhielt eine mehrjährige Ausbildung. Der Überlieferung nach war er Schüler der Rhetoriklehrer Prodikos, Teisias und Theramenes, die dem Kreis der Sophisten zugerechnet werden. Am meisten hat ihn aber zweifelsohne sein Lehrer Gorgias aus Leontinoi geprägt, der sein rhetorisches Vorbild wurde und dessen politisches Programm er in wesentlichen Punkten fortsetzen wollte.4 Darüber hi- naus machte er sich mit Schriften vertraut, die Ende des 5. bzw. Anfang des 4. Jh. publiziert wurden, wobei das Werk des Thukydides ihn besonders beeinflusst haben soll.5 Auch soll er Sokrates kennengelernt haben, gehörte aber nicht zum Kreis seiner Schüler.6 1 Die biographische Tradition über Isokrates geht auf den griechischen Biographen Hermippos von Smyrna des 3. Jh. v....

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