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Historische Mündlichkeit

Beiträge zur Geschichte der gesprochenen Sprache

Series:

Elmar Eggert and Jörg Kilian

Der Band präsentiert in zwölf Beiträgen Ansätze, Methoden und Ergebnisse zur Erforschung der Geschichte der gesprochenen Sprache in unterschiedlichen Philologien. Diese zeigen einerseits die methodischen Schwierigkeiten der Untersuchung historischen Sprechens auf, andererseits stellen sie empirische Analysen ausgewählter Aspekte des gesprochenen Wortes aus verschiedensten Sprachräumen vor. Die Einzelanalysen behandeln die Erforschung des Sprechens über einen Zeitraum von über 2000 Jahren, vom mündlichen Lateinischen über das gesprochene Altspanische und Altniederdeutsche bis hin zu Aufzeichnungen direkter Rede in Protokollen des Altenglischen oder in mündlicher Diktion geschriebener Texte des Friesischen.

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Gesprochenes Niederdeutsch um 1500. Andachtsbücher aus dem Kloster Medingen als Quelle? (Anja Becker)

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Anja Becker (München) Gesprochenes Niederdeutsch um 1500. Andachtsbücher aus dem Kloster Medingen als Quelle? Abstract: This paper focuses on vernacular and bilingual prayer books produced around 1500 in the Cistercian nunnery of Medingen situated in Northern Germany. It can be shown that these manuscripts contain traces of the Low German language spoken in this area at that time. Hence, late medieval prayer books are becoming an interesting source for studies in historical pragmatics. „Heilsame Worte“, so der Titel eines Gebetbuchs, in dem der christliche Bestseller‑ autor Anselm Grün Gebete versammelt, die er für Menschen verfasst habe, denen die offiziellen Orationen fremd seien und das Beten mit eigenen Worten schwer‑ falle (Grün 2005: 11). Angenommen, in 500 Jahren wären Wissenschaftler daran interessiert, wie das gesprochene Deutsch zu Beginn der 2000er Jahre klang, und weiterhin angenommen, alle Ton‑ und Videoaufnahmen aus dieser Zeit wären verloren gegangen: Ist es in solch einem Szenario vorstellbar, dass die Wissen‑ schaftler das Gebetbuch des Benediktinermönchs als Untersuchungsgegenstand wählten? Wohl eher nicht. Denn die ‚heilsamen Worte‘ Anselm Grüns sind in der Hauptsache Worte der Schriftsprache. Auf der Suche nach Spuren tatsächlich gesprochener Sprache in schriftlich überlieferten Zeugnissen der Vergangenheit würden die Kollegen im Jahr 2500, so ist leicht zu prognostizieren, dann doch eher zu Predigten oder Parlamentsreden, zu faktualen oder fiktionalen Dialogen, zu Protokollen oder Reiseberichten greifen. Im Mittelalter betet man lange Zeit fast ausschließlich mit den Worten der Bibel und der Liturgie, nat...

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