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Aberglaube und Unverstand in der Lehre von Versuch und Rücktritt

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Martina Oberhofer

Die Autorin analysiert Unterschiede und Parallelen zwischen grob unverständigen und irrealen Versuchs- bzw. Rücktrittshandlungen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige Ungleichbehandlung solcher Irrtümer sachwidrig ist und das geltende Recht keine befriedigende Lösung bietet. Deshalb unterbreitet die Autorin einen eigenen Vorschlag einer Gesetzesänderung, in dem sie sich für eine Entkriminalisierung beim Versuch ausspricht. In der gegenteiligen Rücktrittssituation führt die Gesetzesauslegung zur Versagung einer Strafbefreiung bei beiden Irrtumsarten. Auf diese Weise entwickelt sie ein stimmiges Konzept bei der Strafbegründung und Strafaufhebung, welches zudem mit Blick auf eine künftige Europäisierung des Strafrechts mit einem europäischen Gesamtkonzept kompatibel ist.

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Einleitung

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Teufelsbeschwörungen, Voodoo-Rituale, Hexentötungen, Hellseher und Wun- derheiler, Menschenopfer für den Katzenkönig, Abtreibungen mittels heißer Senfkornbäder, Verleiten zur Selbsttötung durch Bewohner des Sterns „Sirius“ oder als Sachverständige im Prozess bestellte Parapsychologen – entgegen dem ersten Anschein handelt es sich hierbei nicht um eine bloße Lehrbuchkriminali- tät und -kriminalistik. Über all diese Fälle haben unsere Strafrichter verhandelt. Wenn es auch nicht allzu häufig geschieht, dass sich Strafgerichte mit Fragen aus dem Bereich der Phantasie und des Absurden befassen müssen, dennoch sind solche Fälle auch in unserer modernen Zeit ein Teil der forensischen Realität. Praktisch bei allen Arten von Straftaten und auf jeder Stufe des Deliktsaufbaus kann es vorkommen, dass über einen in diesem Sinne irrationalen Sachverhalt zu entscheiden sein wird. Diese Abhandlung richtet ihren Fokus auf einen Teil dieser breit gefächerten Problematik, und zwar auf irrationale Vorstellungen und darauf basierende Handlungen in der Lehre von Versuch und Rücktritt. Es wird sich zeigen, dass es nicht immer einfach ist, das Irreale bzw. Irrationale mit rechtlichen Regeln zu bewältigen und zu einem verstandesgerechten Ergebnis zu gelangen. A. Problemstellung und Ziel der Arbeit In unserer Strafrechtspraxis und Strafrechtslehre werden grob unverständige und abergläubische Versuche unterschiedlich behandelt. Grob unverständige Versuche, bei denen der Täter – beurteilt nach allge- meinem Erfahrungswissen – in völlig abwegiger Weise verkannt hat, dass seine Tathandlung den angestrebten Erfolg nicht bewirken kann (etwa bei einem Ver- giftungsversuch mit Vitamin C), sind grunds...

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