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Aberglaube und Unverstand in der Lehre von Versuch und Rücktritt

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Martina Oberhofer

Die Autorin analysiert Unterschiede und Parallelen zwischen grob unverständigen und irrealen Versuchs- bzw. Rücktrittshandlungen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige Ungleichbehandlung solcher Irrtümer sachwidrig ist und das geltende Recht keine befriedigende Lösung bietet. Deshalb unterbreitet die Autorin einen eigenen Vorschlag einer Gesetzesänderung, in dem sie sich für eine Entkriminalisierung beim Versuch ausspricht. In der gegenteiligen Rücktrittssituation führt die Gesetzesauslegung zur Versagung einer Strafbefreiung bei beiden Irrtumsarten. Auf diese Weise entwickelt sie ein stimmiges Konzept bei der Strafbegründung und Strafaufhebung, welches zudem mit Blick auf eine künftige Europäisierung des Strafrechts mit einem europäischen Gesamtkonzept kompatibel ist.

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4. Aberglaube und Unverstand in der Rücktrittssituation und im Rechtsvergleich

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253 4. Teil: Aberglaube und Unverstand in der Rücktrittssituation und im Rechtsvergleich In diesem Teil der Arbeit werden die bisherigen Feststellungen anhand einer wertenden Gesamtbetrachtung mit dem Rechtsinstitut des Rücktritts vom Ver- such (A.) sowie unter rechtsvergleichenden Aspekten (B.) überprüft. Geht man mit der herrschenden Meinung davon aus, dass zwischen der Versuchs- und der Rücktrittsregelung eine gewisse Wechselbeziehung besteht, so müssen die hier gefundenen Ergebnisse in einer Zusammenschau mit der Rücktrittsdogmatik Bestätigung finden. Mit Blick auf die zunehmenden Bestrebungen zur Europä- isierung des Strafrechts ist zudem von Interesse zu untersuchen, inwiefern sich die gefundene Lösung in das europäische Bild einfügt. Deshalb ist es notwendig, unseren Gedankengang diesen Bereichen zuzuwenden und dort weiterzuentwi- ckeln. A. Auswirkungen auf den Rücktritt vom Versuch, § 24 StGB Schwierigkeiten bereitet der Strafwissenschaft auch die Frage, ob grob unverstän- dige und abergläubische Vorstellungen beim Rücktritt vom Versuch die Straflo- sigkeit gem. § 24 StGB864 nach sich ziehen können. Diese Problematik kann vor allem bei der Frage nach der zu erbringenden Rücktrittshandlung (I.) sowie bei der Bewertung der Freiwilligkeit des Rücktrittsentschlusses (II.) relevant sein. I. Die erforderliche Rücktrittsleistung Welche Rücktrittshandlung ein Versuchstäter vornehmen muss, um Straffreiheit zu erlangen, richtet sich beim Einzeltäter danach, ob es sich um einen beendeten oder um einen unbeendeten Versuch handelt. Entscheidend für die Abgrenzung dieser Versuchsarten ist die Täterperspektive nach Abschluss der letzten Aus- führungshandlung (sog. „Rücktrittshorizont“).865...

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