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Intertextualität in Julian Schuttings «Gralslicht»

Eine motivhistorische Spurensuche zwischen Wolframs von Eschenbach «Parzival» und Richard Wagners «Parsifal»

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Eva Maria Schulz

Was verbindet Wolframs von Eschenbach Versepos Parzival, Richard Wagners Oper Parsifal und Mozarts/da Pontes Oper Don Giovanni? Alle drei Werke sind wichtige Prätexte für Julian Schuttings Gralslicht, ein idealtypisches Beispiel für gekonntes postmodernes Spiel mit intertextuellen Bezügen. Die Figuren P (Parzival/Parsifal), K (Cundrie/Kundry) und G (Don Giovanni/Gurnemanz) verhandeln darin die Beziehung zwischen Mann und Frau, den Kuss als Versuchung oder Erlösung, die Mitleidsfrage, Schuld, Unterlassung und Wagners Antisemitismus und Misogynie. Neben theoretischen Fragen zu Konzepten, Kriterien, Formen, Bezugsfeldern und -möglichkeiten sowie Funktionen von Intertextualität werden in dieser Studie rund 230 intertextuelle Verweise entschlüsselt und interpretiert.

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1 Einleitung

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9 Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, [...] (Lied, anonym, Regensburg, 1637) Es ist ein Schnitter, der schneidet Brot, [ ...] (Ernst Jandl)1 Schon in der Literatur der Antike wurde zitiert und auch die Be­ arbeitung bestehender literarischer Stoffe und Mythen ist nicht neu. Wesentlich jünger sind allerdings der Begriff der Intertextualität und die Arten ihrer Verwendung. Julian Schuttings Gralslicht. Ein Theater-Libretto, eine Parzival/Parsifal-Rezeption2, ist ein idealtypisches Beispiel für ge­ konntes postmodernes Spiel mit intertextuellen und intermedialen Be­ zügen. Die Untersuchung der Intertextualität in diesem Werk ist Gegen­ stand meiner Arbeit. Zu Schuttings Gralslicht finden sich bisher nur zwei wissenschaftliche Beiträge; einer von Marieke Krajenbrink, ein anderer von Alexandra Chiriac. Nur Krajenbrink beschäftigt sich dabei mit Intertextualität. Ein Theoriekapitel erläutert einleitend Konzepte, Kriterien, Formen, Bezugsfelder, Bezugsmöglichkeiten und Funktionen der Intertextualität. Mit konkreten Textbeispielen aus Gralslicht soll dabei die Theorie an­ schaulich gemacht werden. Nach einer kurzen Biografie des Autors und einigen seiner Aussagen zum Werk folgen Kapitel zu Form, Stil, Figuren und Inhalt, die thematisch jeweils auf ihre Beziehung zur Intertextualität hin überprüft und dargestellt werden. Denn Intertextualität beschreibt nicht nur die Beziehung von Texten untereinander, sondern findet sich auch in der Struktur eines Textes, in der Verwendung von re-used figures, 1 Julian Schutting: Zuhörerbehelligungen. Vorlesungen zur Poetik. Graz: Droschl 1990, S. 83. 2 Die Schreibung in Lachmanns Ausgabe von Wolframs von Eschenbach Parzival ist „Parzivâl", in der Übersetzung von W olfgang Spiewok „Parzival"...

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