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Astrologie in der Europäischen Religionsgeschichte

Kontinuität und Diskontinuität

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Gustav-Adolf Schoener

Diese religionswissenschaftliche Untersuchung verfolgt die europäische Tradition der Astrologie von ihren orientalischen Anfängen bis in die Gegenwart. Als ein Sammelbegriff unterschiedlicher auf den Kosmos bezogener Lehren und Praktiken ist die Astrologie einerseits ein in sich konsistentes kulturelles Phänomen. Andererseits scheint es, dass sie mit der Überwindung des geozentrischen Weltbildes durch Kopernikus und Kepler ihre Begründung verloren hat und nur als «intellektuelle Regression» (Theodor W. Adorno) weiterhin bestehen kann. Dieser Auffassung steht die hier begründete These entgegen, dass die Astrologie den Wechsel der Weltbilder unbeschadet überleben konnte, weil die Begründungsmuster jenseits der rein naturwissenschaftlichen Perspektiven liegen. So hat sich die Astrologie als moderne individualisierte Religiosität auch in westlichen Gesellschaften etabliert.

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5. Kultur- und religionswissenschaftliche Kontextualisierung der Astrologie

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In der Einleitung ist schon darauf hingewiesen worden, dass der Begriff Astrologie als Sammelbegriff für eine Vielzahl vergleichbarer Lehren und Praktiken zu ver- stehen ist, die außereuropäisch beginnen und dann die europäische Kultur- und Religionsgeschichte begleiten (vgl. 4). Weiterhin ist darauf verwiesen worden, dass astrologische Lehren und Praktiken kaum institutionelle Formen hervorgebracht haben, die mit denen der antiken Religionen und ihren Strukturen oder den heute agierenden differenzierten Religionssystemen vergleichbar wären (vgl. 11). Astrologie ist schon in der Antike wesentlich an einzelne Verfasser astrologischer Schriften und deren Zugehörigkeit zu Philosophenschulen oder religiösen Tra- ditionen gebunden. Es entspricht der Eigenart der Astrologie, dass sie sich mit ihren Strukturelementen in polytheistische und monotheistische Religionen, in Mysterienkulte und in religionsphilosophische Spekulationen implementieren lässt und auch implementiert wird.716 Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sie den sichtbaren Kosmos zur Grundlage ihres religiösen Weltbildes macht und damit eine kultur- und religionsübergreifend anerkannte naturbezogene Basis ihrer Lehre und Praxis vorweisen kann. Das lässt prinzipiell die Adaption an alle polytheistischen und animistischen Religionen zu. Aber auch monotheistische Religionen bieten sich prinzipiell als adaptionsfähig an, solange der Kosmos und die Natur auch mit ihren transzendenten Mächten als Schöpfung des einen Gottes verstanden werden. Grundsätzlich gehört die Astrologie schon in ihren antiken Ausprägungen zu den individualisierten und gemeinschaftsunabhängigen Formen religiöser Weltdeutung. In den Fällen, wo Adaptionen an vorhandene Weltbilder und Ge- meinschaften stattfinden, kann von flexiblen und „fluiden“717...

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