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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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1. Einführung

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Als der IX. Pädagogische Kongress der DDR im Juni 1989 im Palast der Republik in Ostberlin eröffnet wurde, ahnte wohl kaum jemand, dass dieser Staat schon bald von der großen politischen Bühne verschwinden würde. Rechtzeitig vor dem 40. Jahrestag der DDR-Gründung im Oktober wollte die Parteiführung mit diesem Kongress noch einmal der Öffentlichkeit die – vermeintlich – großen Er- folge ihrer in vier Jahrzehnten weiterentwickelten sozialistischen Bildungspolitik demonstrieren und sich vor allem ihre gut drei Jahre zuvor auf dem XI. Parteitag vertretenen bildungspolitischen Leitlinien bestätigen lassen. Dem Ereignis langfristig vorausgegangen war ein Aufruf in der Deutschen Lehrerzeitung (DLZ), sich mit Ideen, Hinweisen und Vorschlägen an seiner Vor- bereitung zu beteiligen.1 In den daraufhin z. T. seitenlangen, beeindruckenden Schreiben aus unterschiedlichsten Kreisen der Bevölkerung, die zunächst spärlich, ab Frühsommer 1989 jedoch in größerer Zahl im Ministerium für Volksbildung (MfV) eingingen, wurden nicht nur seit Jahren zu beobachtende Fehlentwicklun- gen im Bildungswesen – meist vorsichtig – kritisiert, sondern auch konstruktive Änderungsvorschläge unterbreitet, die von Problembewusstsein, Realitätsnähe und erstaunlicher Sachkompetenz zeugten. Doch die Erwartungen der Bürger wurden abermals enttäuscht. Kaum einer ihrer Vorschläge fand auf dem Kongress angemessene Berücksichtigung. Zwar sprach Margot Honecker in ihrer großen, über vierstündigen Rede von kleinen, notwendig gewordenen Korrekturen, aber die erhofften Reformen des mittlerweile in vielen Bereichen erstarrten, reali- tätsfernen, ideologisch bestimmten Bildungssystems wurden nicht angekündigt. Nach dem Rücktritt der Ministerin Ende Oktober...

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