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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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6. Nach dem Kongress

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Die Reaktion von Partei und Bürgern Die Führungsspitze der SED stellte Ablauf und Ergebnisse des IX. Pädagogischen Kongresses als großen Erfolg ihrer 40-jährigen Bildungspolitik und zugleich als gelungene Vorbereitung auf den für April 1990 geplanten XII. Parteitag dar. In seinem Bericht anlässlich der 8. Tagung des ZK der SED am 22./23. Juni 1989 hob der Sekretär für Agitation und Propaganda des ZK Joachim Herrmann noch einmal wesentliche Aussagen des Ministerreferats hervor: „Im Referat des Ministers für Volksbildung, Genossin Margot Honecker, wurden die 40 Jahre Schulentwicklung in unserer Republik als ein kontinuierlicher, von großer Dy- namik geprägter Prozeß qualitativer Umgestaltung und ständiger Vervollkommnung des Bildungswesens, befördert durch das pädagogische Neuerertum mehrerer Gene- rationen sozialistischer Lehrer, dargestellt. Überzeugend wurde nachgewiesen, wie seit Beginn der 80er Jahre, ausgehend von der Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung und von den Erfahrungen der Schulpraxis, ein weiterer Schritt zur Gestaltung der Schu- le der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in Angriff genommen wurde. […] Der Kongreß wies nach, daß sich die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Ober- schule, gewachsen unter den konkreten historischen Bedingungen der DDR, auf der Berufsausbildung und jede weiterführende Bildung aufbauen können, bewährt, daß in unserer Republik Chancengleichheit für alle gewährleistet ist.“ Auch auf die politische Erziehung der Jugend ging er ein, der vor dem Hinter- grund der gegenwärtigen Klassenauseinandersetzung besondere Bedeutung zu- käme. Die Jugend müsse lernen zu erkennen, „wie sich in unserem Jahrhundert in einem...

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