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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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8. Fazit

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„Der Kongress hätte ein Kongress des Aufbruchs werden können und müssen – so aber war er der letzte Sargnagel auf dem Weg zum Untergang der DDR“, fasste einer der Vizepräsidenten der ehemaligen APW das Ergebnis des IX. Pädagogi- schen Kongresses zusammen.643 Er war nicht der Einzige, der diese Schlussfol- gerung zog. Mit Blick auf die vorliegenden Quellen ist inzwischen offensichtlich, dass die DDR im Kongressjahr 1989 vor dem Hintergrund der gravierenden Auflösungs- erscheinungen innerhalb des Ostblocks sowie ihrer katastrophalen ökonomischen Situation mit so gewaltigen Problemen zu kämpfen hatte, dass selbst ein auf in- haltliche Reformen angelegter Kongress die „Friedliche Revolution“ allenfalls ein wenig verzögert hätte. Wohl aber ist vorstellbar, dass die in größeren Teilen der Bevölkerung verloren gegangene Akzeptanz des Bildungswesens wieder ge- stiegen und zudem das Ergebnis der deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung für die DDR-Seite positiver ausgefallen wäre. Doch die Chance eines – zumindest vorsichtigen – Umdenkens wurde ver- passt, und das nicht erst mit der Einberufung des Kongresses im Januar 1988, sondern bereits auf dem XI. Parteitag der SED im April 1986. Spätestens hier hätte den nicht mehr zu übersehenden gesellschaftlichen Veränderungen Rech- nung getragen und nach dem Motto „Ohne klares Gesellschaftskonzept – kein klares Bildungskonzept“ auch über bildungspolitische Reformen nachgedacht werden müssen. Stattdessen rief der Generalsekretär des ZK der SED Erich Ho- necker dazu auf, „die Jugend auf die anspruchsvollen Aufgaben vorzubereiten, die die Weiterführung der sozialistischen Revolution stellt“ und...

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