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Tätertypologien in der Wirtschaftskriminologie

Instrument sozialer Kontrolle

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Julia Hugendubel

Die präventive Tätertypenbestimmung gilt als effektives Instrument, um Wirtschaftskriminalität zu unterbinden. Vernachlässigt wird dabei jedoch eine Reihe von Nebeneffekten, wie etwa eine ungerechtfertigte Vorverurteilung von Personen. Die Untersuchung konzentriert sich daher auf die Frage, ob Wirtschaftsstraftätertypologien als Instrument sozialer Kontrolle fungieren können. Mit der qualitativen Inhaltsanalyse erfasst die Autorin theoretische wie empirische Studien zur Bestimmung von Wirtschaftsstraftätertypen und zeigt auf, welche Bedeutung Compliance-Maßnahmen in diesem Zusammenhang für die Prävention von Wirtschaftskriminalität haben. Darauf basierend diskutiert sie die Aussagekraft einer Wirtschaftsstraftätertypenbestimmung und prüft diese auf unternehmenspolitische Risiken. Die abschließenden konkreten Handlungsempfehlungen geben wertvolle Impulse für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in der Unternehmenspraxis.

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E. Kritische Würdigung

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183 E. Kritische Würdigung Im vorangegangenen Kapitel wurde festgestellt, dass der wirtschaftskrimino­ logischen Tätertypenbestimmung, die maßgeblich anhand von Sozialdaten, Persönlichkeitseigenschaften oder Werteeinstellungen erfolgt, keine kriminal­ präventive Wirkung zukommt. Darüber hinaus wurde herausgefunden, dass mit der Tätertypenbestimmung auch nicht intendierte Effekte einhergehen können, wie der Labeling­Effekt. Fraglich ist, ob die insbesondere in der Unternehmenspraxis entwickelte Wirtschaftsstraftätertypenbestimmung überhaupt rechtlich zulässig ist. In die­ sem Kapitel wird daher zunächst auf die allgemeine rechtliche Zulässigkeit einer präventiv legitimierten wirtschaftskriminologischen Tätertypenbestimmung eingegangen. Aufgrund des persönlichkeitsorientierten Ansatzes zur Prävention von Straftaten sind insbesondere datenschutzrechtliche Vorschriften zu berück­ sichtigen. Aus normativer Perspektive wird zudem untersucht, ob die präventiv legitimierte Wirtschaftsstraftätertypenbestimmung grundsätzlich für das Straf­ recht nutzbar gemacht werden könnte. Hierzu wird insbesondere auf grundle­ gende strafrechtliche sowie verfassungsrechtliche Prinzipien eingegangen. Im Anschluss daran wird ausgehend von den festgestellten Auswirkungen der Tä­ tertypenbildung und der rechtlichen Analyse auf bestehende kriminalpolitische und kriminologische Bedenken eingegangen. I. Bedenken gegen eine präventiv legitimierte Wirtschaftsstraftätertypenbestimmung aus rechtlicher Perspektive Die mit der Tätertypologisierung erstrebte Kontrolle von Wirtschaftskrimina­ lität liegt im Trend einer zunehmend ökonomisierten und privatisierten Ver­ brechenskontrolle, die weniger auf Gefängnisstrafen setzt, sondern außerhalb der staatlichen Strafanstalten nach Regelungen sucht.609 Das Bestreben von Unternehmen, sich optimal vor Wirtschaftskriminalität zu schützen und dafür Personen im Vorfeld einer Straftat zu identifizieren, verursacht ein Spannungs­ verhältnis zwischen den Persönlichkeitsrechten der Mitarbeiter...

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