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Deutsche Schülersprache

Sprachgebrauch und Spracheinstellungen Jugendlicher in Deutschland

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Eva Neuland

Der Band präsentiert die Gesamtergebnisse des Wuppertaler DFG-Projekts zu Sprachgebrauch und Spracheinstellungen von Jugendlichen im Schulalter in insgesamt 9 Bundesländern. Mit einer durch Befragung und Beobachtung gewonnenen Datengrundlage von Datengrundlage von über 1.000 Jugendlichen wird die bislang größte empirische Untersuchung im deutschen Sprachraum vorgestellt. Sie vermittelt einen Einblick in exemplarischen Wortgebrauch, ausgewählte Stilmittel und konversationelle Handlungsmuster (Frotzeln, Lästern, Erzählen) sowie in Spracheinstellungen Jugendlicher u.a. zu Typizität, Verwendungssituationen und Gebrauchsbegründungen von Jugendsprachen bei Jugendlichen verschiedener Altersstufen und Bildungsgänge zur Jahrtausendwende. Soziolinguistischen Differenzen wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Ergebnisse lassen Sprachkompetenzen Jugendlicher in neuem Licht erscheinen und belegen die Thesen von Jugendsprachen als Faktoren der Gegenwartssprache und zugleich der individuellen Sprachbiographien.

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I. Jugendsprachen im Forschungskontext

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1. Jugendsprachen – ein Phänomen der Sprachgeschichte „Jugendsprache“ ist kein Phänomen der Neuzeit. Auch zu früheren Zeiten haben Jugendliche einen eigenen Sprachstil ausgebildet, der sich von dem in der Gesell- schaft vorherrschenden und von den älteren Generationen verwendeten in be- deutsamer Weise unterschied. 1.1 Tradition der historischen Studentensprachen Unser Wissen darüber verdanken wir der fast 200jährigen Tradition historischer Wörterbücher und Dokumente der Studentensprache noch vor Beginn der wis- senschaftlichen Erforschung.2 Die Studentensprache nahm dabei deshalb einen besonderen Stellenwert ein, da sie zugleich die Sprache eines gebildeten Standes, einer Generation und nicht zuletzt einer rein männlichen Gruppe von Sprechern und Schreibern war.3 Die frühe Sondersprachforschung verfolgte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrem sprachhistorischen Interesse an der Entstehung des neuhochdeutschen Wortschatzes vor allem etymologische Fragestellungen und den allmählichen Übergang des Sonderwortschatzes in Stilschichten der Gemeinsprache, den sie als eine Bereicherung der gehobenen Literatursprache würdigte.4 Ein Vergleich von Erscheinungs- und Funktionsweisen der historischen Stu- dentensprache aus heutiger Sicht ergibt ausschlussreiche Parallelen zu späteren wie zu heutigen Jugendsprachen, z.B. in Hinblick auf: – Neubildungen und Neubedeutungen, – Stilmittel wie z.B. Verwendung von Intensivierungen, Hyperbolik, Metaphorik, – lexikalische Differenzierungen in zentralen Lebensbereichen, – Übernahme und Integration von Entlehnungen, damals aus den Geberspra- chen Griechisch, Latein und späterhin Französisch, – Bildung von Sprachmischungen, z.B. makkaronisches Latein, 2 Vgl. die verdienstvolle Dokumentation historischer Wörterbücher der Studenten- und Schülersprachen von Henne/Objartel 1984. 3 Vgl. die tabellarische Übersicht bei Hirt 1909. 4 So Kluge 1895. 18...

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